Berlin : Wurde das Feuer aus Verzweiflung gelegt? Im April ertrank das Baby der Familie

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Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit steht die Familie eines Berliner Richters im Blickpunkt der Polizei. Gestern Vormittag brannte es im Einfamilienhaus der Familie H. an der Köpenicker Straße in Rudow. Die Polizei stellte zwei Brandherde fest. Die 36-jährige Ehefrau wurde nachmittags von der Kriminalpolizei wegen des Verdachts der Brandstiftung verhört. Seit einiger Zeit wird auch wegen des Verdachts gegen sie ermittelt,am Tod ihres sieben Monate alten Sohnes mitschuldig zu sein. Bei der Polizei wollte sich aber niemand zu der Frage äußern, ob die Brandstiftung womöglich nun auf die Verzweiflung der Frau zurückgeht.

Menschen wurden nicht verletzt. Als die von einer Nachbarin alarmierte Feuerwehr am Vormittag eintraf, stand zwar die Terrassentür offen, das Haus selbst aber war leer. Die Polizei bestätigte später, ein Brandherd sei im Obergeschoss in einem etwa 20 Quadratmeter großen Kinderzimmer festgestellt worden, ein zweiter im Erdgeschoss in einer Ecke des Esszimmers. Das Kinderzimmer brannte aus, der Schaden im Esszimmer wird als weniger gravierend angesehen.

Die näheren Umstände sind noch ungeklärt. Aber: Es hat vor einigen Wochen bereits einmal in dem Haus gebrannt, damals im Keller. Auch in diesen Fall schaltete sich ein Fachkommissariat des Landeskriminalamtes ein. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, sagte ein Polizeisprecher gestern, ohne darauf einzugehen, gegen wen sich der Verdacht richtet.

Im Mittelpunkt dürfte aber die Ehefrau stehen. Die Ermittlungen gegen die 36-jährige Frau wegen des Todes ihres sieben Monate alten Sohnes stammen von Anfang April.Nach einem Unfall auf der Avus hatte damals der Familienvater den Polizisten, die zur Unfallaufnahme gekommen waren, gestanden, im Kofferraum des Wagens liege die Leiche des Säuglings. Wie berichtet, hat die Obduktion des Kindes später ergeben, dass der Junge ertrunken ist. Nach der Schilderung der Mutter hatte sie den Säugling gebadet, dabei einen Schwächeanfall erlitten und war kurzfristig ohnmächtig geworden. Das Kind sei ihr entglitten und in der Wanne ertrunken.

Danach schien die Mutter, die an Depressionen leiden soll, in Panik geraten zu sein. Sie nahm die Leiche des Sohnes, legte sie in den Kofferraum des Wagens und raste davon. Angeblich wollte sie in den südfranzösischen Wallfahrtsort Lourdes. Sie kam aber nur bis Nordrhein-Westfalen.

Dort fiel sie wegen ihrer unkonzentrierten und viel zu schnellen Fahrweise der Polizei auf, die sie nun zu stoppen versuchte. Die Frau widersetzte sich aber allen Anhalteversuchen. Zwar gelang es der Polizei schließlich, den Wagen zu stoppen, er wurde angeblich auch kontrolliert, aber die im Kofferraum unter Wolldecken und Kleidungsstücken liegende Leiche des Säuglings wurde nicht entdeckt.

Aber die Beamten benachrichtigten den Ehemann. Dieser holte seine Frau und den Wagen in Westfalen ab. Er fuhr seine Frau und die Leiche des Sohnes im Kofferraum zurück nach Berlin. Auf der Avus platzte ein Reifen, der Fahrer verlor daraufhin die Gewalt über den Wagen und fuhr eine Böschung hinauf. Nun erst berichtete der Mann, der von Beruf Richter am Finanzgericht ist, der Polizei von dem toten Säugling. Das Ehepaar hat noch zwei fünf und sieben Jahre alte Töchter.

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