Berlin : Wurf ins Leere

Die Handballer der Reinickendorfer Füchse wollten schnell in der Bundesliga aufsteigen – doch daraus wird wohl nichts

Klaus Rocca

Berlin. 36 Tore in 60 Minuten muss man erst mal werfen. Die Handballer der Reinickendorfer Füchse schafften es gestern. Freilich nur in einem Freundschaftsspiel, gegen den Süd-Zweitligisten EHV Aue. „Wir sind schon gut in Form“, sagte Füchse-Trainer Georgi Swiridenko nach dem 36:28-Sieg. Nicht nur er sieht dem Saisonstart am 5. September gegen den Aufsteiger HC Landwehrhagen optimistisch entgegen.

Dennoch – von der „Vision 2005“ haben sich die Füchse inzwischen verabschiedet. Für 2005 war die Rückkehr in die Erste Bundesliga angepeilt worden. Thomas Gloth, einst Trainer in Gummersbach und Großwallstadt, hatte nach dem Vertragsabschluss seiner Kommunikationsagentur mit den Füchsen dieses Ziel auch in griffigen Slogans („Bundesliga – back to Berlin“) per Internet verkündet. Das hörte sich zwar gut an, war aber unrealistisch. Offenbar hat das auch Gloth eingesehen. Sein Verhältnis zu den Füchsen scheint sich ohnehin abgekühlt zu haben. Gloth ist verärgert darüber, dass die Füchse sein Angebot, einen Trainer samt dessen Sohn zu den Füchsen zu transferieren, schlichtweg ignoriert haben. Stattdessen holten sie mit Georgi Swiridenko einen Coach, der einst in Seoul mit der UdSSR Olympiasieger und bei Blau-Weiß Spandau als Spieler und Trainer aktiv war.

„Beide Seiten hatten sich das anders vorgestellt. Thomas Gloth wollte uns Sponsoren besorgen. Bislang ist noch kein Geld in die Kasse gekommen“, kritisiert Manager Marco Winkler. Und Geld ist nun mal das Wichtigste, auch im Handball-Geschäft. Mit 150 000 Euro haben die Füchse einen bescheidenen Etat. So scheiterten auch Versuche, namhafte Spieler zu holen. Zuletzt sagte ein polnischer Nationalspieler ab.

Auch die Hoffnungen, aus der Kooperation mit dem Erstligisten SC Magdeburg zu profitieren, haben sich bislang kaum erfüllt. Magdeburg kommt zwar am 26. August zu einem Freundschaftsspiel ins Horst-Korber- Zentrum, doch mit Mäuer, Liesche und Ziemer sprangen zunächst wechselwillige Spieler noch ab, auf die die Reinickendorfer gehofft hatten. Auch hier lag es am Geld. Das fehlt auch, wenn es um das so genannte Zweitspielrecht geht. Nach dem können Erstligaspieler auch in der Zweiten Bundesliga mitwirken. Nur, dann müssten die Füchse auch eine Ausbildungspauschale zahlen und gegebenfalls auch monatliche Kosten für den betreffenden Erstligaspieler übernehmen. Auch dafür fehlt das Geld.

„Was wir brauchen, ist ein Großsponsor mit einer entsprechenden Signalwirkung“, sagt Marco Winkler. Weiterhin Kontakt soll zu der Anschutz-Gruppe bestehen, die am Ostbahnhof eine Großraumhalle vorrangig für den EHC Eisbären bauen will und nach weiteren Nutzern sucht. Doch allzu intensiv scheinen die Kontakte nicht zu sein. Trotz allem herrscht in Reinickendorf Optimismus vor. „So ein Engagement gab es bei den Füchsen bisher nicht annähernd“, sagt Stefan Matz, der in der höchsten Spielklasse viel Erfahrung gesammelt hat. Achtmal in der Woche wird trainiert, Matz spricht von einer „Vervierfachung des Trainingsumfangs“. Auch bei ihm zahlt es sich aus: Gestern war er mit sieben Toren erfolgreichster Werfer.

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