• X-Filme-Produzent Stefan Arndt im Interview: „Wir brauchen mehr Deutsche in der Academy“

X-Filme-Produzent Stefan Arndt im Interview : „Wir brauchen mehr Deutsche in der Academy“

Stefan Arndt sitzt in der Oscar-Jury und kann mitentscheiden, wer die goldene Statue mit nachhause nimmt. Die Oscarnacht verbringt er aber im Bett.

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Stefan Arndt, 1961, ist Filmproduzent und Mitgründer der Produktionsfirma X Filme. Der von ihm produzierte Film „Liebe“ von Michael Haneke bekam 2013 den Oscar.
Stefan Arndt, 1961, ist Filmproduzent und Mitgründer der Produktionsfirma X Filme. Der von ihm produzierte Film „Liebe“ von...Foto: dpa

Herr Arndt, Sie sind seit knapp zwei Jahren Mitglied der Academy und stimmen über die Oscars mit ab. Wie funktioniert das?
Ich kriege all die Filme auf DVD zugeschickt. Das ist sehr spannend, viele Filme sind bei uns noch nicht im Kino gestartet oder kommen hier nicht ins Kino. Von den nominierten Filmen hatte ich vielleicht 20 schon gesehen, um die 60 habe ich mir noch angesehen.

Zu Hause statt im Kino?
Wir müssen dringend dafür werben, dass mehr deutsche Filmemacher in die Academy kommen. Die Mitglieder, die in L.A. und London wohnen, die können sich die Filme auf der Leinwand angucken. Das habe ich schon vermisst.

Wie läuft die Abstimmung rein technisch?
Das geht online, total simpel. Die Academy hat Geld, die kann so etwas perfekt organisieren.

Welche Aufgaben haben Sie sonst noch?
Die Academy macht sehr viel, es gibt Mitarbeiter, die sich um den Nachwuchs und die Filmkunst in den kleinen Ländern kümmern. Ich war mit denen in Sarajevo auf dem Filmfest, da kamen Filmemacher aus Montenegro, Kosovo, Albanien. Die Academy ermutigt immer, eine eigene Filmsprache zu finden.

Haben Sie als Produzent dadurch neue Projekte gefunden?
So direkt läuft das nie. Man öffnet erst mal einfach seinen Horizont. Durch das Gucken der Filme, die Gespräche, bekommt man einen weltweiteren Blick auf das Filmemachen. Das ist mir mit Michael Haneke und „Liebe“ damals so gegangen, aber auch mit unseren Koproduktionen „Cloud Atlas“, „Ein Hologramm für den König“ oder jetzt „Jeder stirbt für sich allein“, den wir bald anfangen zu drehen. Da haben wir viel mit dem US-Filmgeschäft zu tun. Es ist einfach gut, dass man sich immer besser damit auskennt.

Was kann sich die Deutsche Filmakademie, die Sie viele Jahre geleitet haben, von der Academy noch abgucken?
Meine Meinung verfestigt sich immer mehr, dass man sehr selbstkritisch sein muss. Dass es gut wäre, wenn man lieber weniger Filme einreicht als zu viele. Nicht jeder Film, der den Produzenten begeistert, muss unbedingt in so eine Auswahl geschickt werden. Es muss um Filmkunst gehen.

Wem drücken Sie am Sonntag die Daumen?
Ich kann natürlich nicht verraten, wen ich gewählt habe. Ich finde aber, dass die Auswahl in der Endrunde bei den besten Filmen und den nicht-englischsprachigen Filmen sehr gut ist. Auch bei den Dokumentarfilmen habe ich Favoriten. Für manche Kategorien wie Kostüm ist es für mich schwierig: Da ist der Unterschied, ob man den Film auf Leinwand oder DVD gesehen hat, schon erheblich.

Und wo werden Sie die Verleihung sehen?
Wahrscheinlich im Bett. Ich versuche, so lange wach zu bleiben, wie es geht. Den Rest lese ich Montagmorgen.

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