Berlin : Yan-Yan soll bleiben

Die Leihfrist für die Pandabärin läuft 2006 ab. Der Zoo verhandelt mit China – und gibt sich optimistisch

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Die Kiste, in der die Pandabärin Yan-Yan vor inzwischen elf Jahren in Tegel landete, haben sie noch: einen transportablen Raubtierkäfig aus massivem Holz mit soliden Gitterstäben. Der stehe im Hof, sagt Heiner Klös, der Vize-Direktor des Zoos: „So was schmeißt man ja nicht weg.“ Wenn Yan-Yan also eines Tages wieder aus Berlin abreist, dann weiß Klös schon, worin. Was er aber nicht weiß, ist, wann das sein wird. „Ich glaube nicht, dass man sich nicht einigt“, sagt er – und meint damit die Verhandlungen mit der Forstbehörde in Peking. Andere Quellen stellen eben diese Verhandlungen als schwierig dar, worauf Klös verärgert reagiert.

Yan-Yan gehört den Chinesen, anders als der zweite Panda im Zoo, der Bär Bao-Bao, der 1980 als Staatsgeschenk an Deutschland überreicht worden war. Als die Bärin 15 Jahre später anreiste, begleitet unter anderem vom damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen, war sie nur eine Leihgabe. Vereinbarte Leihfrist damals: fünf Jahre. Als der Vertrag auslief, verhandelte man lange, bevor 2001 eine Verlängerung um weitere fünf Jahre vereinbart wurde. Die enden jetzt. Nun verhandelt der Zoo erneut und – wie Klös hofft – mit Aussicht auf Erfolg. Er geht davon aus, dass sich zuerst noch mal eine chinesische Expertenkommission den verliehenen Panda angucken will.

Yan-Yan ist beim Zoopublikum sehr beliebt. Es sieht ihr gerne zu, wie sie, lässig zurückgelehnt, am aus Südfrankreich importierten europäischen Bambus nagt, oder versucht vergeblich, sie ans Gehegegitter zu locken. Dieser Liebe tat dann auch keinen Abbruch, dass die Bärin eine zentrale Hoffnung enttäuschte: Sie ließ sich nicht von Bao-Bao schwängern. Es folgten zahlreiche künstliche Befruchtungsversuche, die unter großem Echo in der Öffentlichkeit allesamt scheiterten. Im Zoo findet man, dass diese vergeblichen Versuche auch das Drama einer aussterbenden Art veranschaulichen.

Zu den Gegenleistungen, die Berlin für die Leihgabe Yan-Yan erbringt, gehören 31 000 Euro, die jährlich an eine Pandaaufzuchtstation in Shaanxi gehen. Das ist eine der drei chinesischen Provinzen, in denen die Großen Pandabären überhaupt vorkommen, ein Areal, das keine 6000 Quadratkilometer misst. In dem Rettungsprojekt würden viele Pandas geboren, sagt Klös, zwölf bis 14 pro Jahr. Ein dringend benötigter Nachwuchs, denn von den Großen Pandas leben nur noch rund 1500 in freier Wildbahn.

Yan-Yan und Bao-Bao sind in deutschen Zoos die einzigen Pandas. Aber auch in China sind Pandas nur in Zoos zu sehen und sehr beliebt. Als am Wochenende Tourismusmanager aus Peking in Berlin waren, hätten auch die, so Klös, unbedingt zu den Pandas gewollt. ari

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