Berlin : You can’t always get what you want

Harte Zeiten für Schwarzhändler: Die Preise fielen im Minutentakt. Aber dann legten die Stones los

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Kurz vor 18 Uhr sind die Preise endgültig im Keller. Gerade noch hatte man den Schwarzhändlern für das InnenraumTicket 40 Euro hinblättern müssen, jetzt sind es nur noch 30. Tendenz nach unten offen. Tja, damit hatte eben niemand gerechnet, dass für das Stones-Konzert im Olympiastadion seit Wochen schon offiziell Restkarten angepriesen werden. Manche Hoffnung auf Gewinn löst sich da in Luft auf, zum Beispiel bei dem Mann, der dem 42-jährigen Jürgen aus Mitte drei Innenraum-Karten – offizieller Preis 74 Euro – für je 30 Euro abgab. Für Jürgen ein akzeptables Geschäft: Mit zehn Euro Aufschlag wird er sie noch gegen halb sechs am U-Bahnhof Olympiastadion wieder los. Er selbst kauft sich erst nach 18 Uhr direkt am Stadion eine Stehkarte, für 25 Euro. Gegen halb sieben bekommt Jürgen dann noch einen Sitzplatz zum selben Preis – und verkaufte dieses Ticket wieder weiter: 35 Euro.

Ja, hier funktioniert es noch, das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Sitzplätze gab es gegen 17.30 Uhr sogar schon für 60 Euro, doch erworben hatte sie der Verkäufer kurz vorher für die Hälfte. Nur der 35-jährige Andreas schaute in die Röhre. Die Innenraum-Karte seiner schwangeren Freundin – Originalpreis 89 Euro – wurde er zweieinhalb Stunden vor dem Stones-Auftritt zu diesem Betrag partout nicht mehr los. Als die Sängerin der Vorgruppe „Cranberries“ im Camouflage-T-Shirt mit Stones-Zunge auf die Bühne kommt, ist auf dem Weg von der S-Bahn zum Stadion kein Schwarzhändler mehr zu sehen.

Endlich drin. Alles größer? Von wegen. „Besser als beim letzten Mal“ soll die Stones-Show sein, hat Production Manager Jake Berry am Vortag versprochen, das wird man sehen. Aber auch größer? Die Zahlen sprechen dagegen: Imposante 80 Meter schob sich die Bühne vor acht Jahren in die Breite, jetzt sind es nur 54; ein Steg mit Podest ragt ins Publikum. Die 1500 Scheinwerfer der „Voodoo Lounge“-Show konnte angeblich sogar der Mann im Mond sehen – die 800 „Licks“-Lampen reichen wohl nur noch bis zur ISS-Raumstation. Macht nichts, auch diese Bühne ist ein Monstrum, mit Breitband-Gemälden: rechts dieser halb geöffnete Frauenmund, links der Kopf einer Lego-Figur, in der Mitte ein gigantischer Gitter-Papierkorb. In der Menge davor werden grellrote Stones-Zungen in die Höhe gehalten. Manche Fans haben gerade ihr Abi in der Tasche, andere gehen bald in Rente.

Dann endlich, kurz vor neun, erste Nebelschwaden, Scheinwerfer gleiten an Masten empor, das Publikum schreit auf, übertönt durch dumpfes Grollen. Die Rockmaschine donnert los: „Brown Sugar“, und dann ist es wieder, als seien nicht acht Jahren vergangen. Mick macht den Jagger, Gummimensch wie gewohnt. Charlie trommelt stoisch, Keith hängt in der rechten Ecke rum, Ron klebt krummbeinig an Gitarre und Zigarette fest. Die gleichen Posen wie seit Jahrzehnten, und doch wie neu. Hallo Berlin, seid ihr bereit, fragt Mick nach „Start me up“, dem zweiten Stück. Welch’ Frage.ac/tabu

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