Berlin : Zählgemeinschaft aus SPD und CDU zerstritten

Michael Brunner

Im Rathaus Pankow an der Breiten Straße herrscht Unruhe. Die in der Bezirkverordnetenversammlung vertretenen Parteien suchen nach einem Nachfolger für Bürgermeister Jörg Richter (SPD), der sein Amt jetzt wegen einer schweren Krankheit aufgegeben hat. Richter war sieben Jahre Chef im roten Backsteinbau und hinterlässt eine große Lücke.

Einigkeit gibt es nämlich keineswegs. Das gilt auch für Sozialdemokraten und Christdemokraten, die noch bei der vorigen Wahl im Jahr 1995 als Zählgemeinschaft aufgetreten waren, um an der zahlenmäßig stärksten Partei, der PDS, vorbeizuziehen und Richter als Bürgermeister zu wählen. 1999 liegen die beiden Partner überquer. Bei der CDU ist man verschnupft, weil die SPD ohne nachzufragen davon ausging, dass Jugendstadtrat Alex Lubawinski (SPD) automatisch neuer Bürgermeister werden müsse. Der Ärger bei den Christdemokraten steigerte sich, als Lubawinski ihrer Ansicht nach auftrat, als sei seine Wahl längst beschlossen. Die Antwort der CDU ließ nur kurze Zeit auf sich warten. Wirtschaftsstadtrat Martin Federlein (CDU) rückte in den Kreis der Kandidaten auf. Derzeit hängen an Pankower Strommasten Plakate mit Federleins Konterfei. "Ihr Bürgermeister für Pankow", steht darunter. So könnte nun der Eindruck entstehen, es gebe einen Zusammenhang mit der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 10. Oktober. Doch die jetzigen der Bezirksämter bleiben bis zur Bildung der Großbezirke im Januar 2001 im Amt.

Im kleinen Kreis der Kandidaten für den Bürgermeistersessel gibt es auch eine Frau. Sozialstadträtin Gisela Grunwald (PDS) amtiert derzeit als Bürgermeisterin und soll den Bezirk nach dem Willen ihrer Partei zur Fusion mit Prenzlauer Berg und Weißensee führen. Mit der Nominierung Grunwalds nimmt die PDS ihr Recht wahr, als stärkste Partei (16 Mandate) den Bürgermeister vorzuschlagen. Dass sich SPD (12 Mandate) und CDU (11 Mandate) trotz mehrerer Gesprächsrunden nicht einigen konnten, muss auf die PDS wie eine Einladung gewirkt haben. Auf einer Sonder-BVV am Donnerstag (17.30 Uhr im Rathaus an der Breiten Straße) will die PDS Gisela Grunwald zur Bürgermeisterin wählen lassen. Eine einfache Mehrheit von 23 Stimmen könnte die PDS aber nicht einmal mit den vier Stimmen der Grünen zusammenbekommen. Noch ist das Rennen also offen, SPD und CDU verhandeln noch über eine Zählgemeinschaft. Für den gestrigen Dienstagabend war ein Treffen geplant - ganz im Geheimen.

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