Berlin : Zahl der Opfer in Berlin überschreitet bereits jetzt die Zahl vom Vorjahr

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Auch für Berliner Motorradfahrer sind die Straßen in Brandenburg ein gefährliches Pflaster. Statistisch verunglücken in Brandenburg bundesweit die meisten Motorradfahrer: 1273 waren es im vergangenen Jahr. Bei der Zahl der getöteten Motorradfahrer rangiert Brandenburg an zweiter Stelle hinter Mecklenburg-Vorpommern. Berlin liegt dagegen in der Bundesstatistik auf einem der hinteren Plätze, trotz der bereits elf Motorradfahrer, die in diesem Jahr auf den Straßen der Stadt starben. Im Juli verunglückten allein vier Zweiradfahrer tödlich. Die bisherige Zahl der Toten übersteigt schon jetzt die des Vorjahres: Im ganzen Jahr 1998 starben neun Motorradfahrer.

Nach einer internen Auswertung der Polizei traf sieben der tödlich verunglückten Motorradfahrer an den Unfällen keine Schuld. Sie stießen mit anderen Fahrzeugen zusammen, weil deren Fahrer sich offenbar verkehrswidrig verhalten hatten. Dazu kommt häufig noch, dass Autofahrer die deutliche höhere Beschleunigung und die schnelleren Startmöglichkeiten eines Motorrads unterschätzen. Aber auch die schmale Silhouette eines Motorrads kann im Rückspiegel leicht Übersehen werden, obwohl Motorradfahrer auch am Tag verpflichtet sind, mit Licht zu fahren. Dennoch übersahen in zwei Fällen Autofahrer beim Wechsel des Fahrstreifens die Motorräder, weil sie sie im toten Winkel ihres Rückspiegels nicht bemerkten.

"Das Anwachsen der Unfallzahlen hat aber auch mit der ständig größer werdenden Zahl von Motorrädern auf den Straßen zu tun", sagte der Leiter der Video- und Motorradgruppe, Dieter Kluge, von der Potsdamer Polizei. Dem können seine Kollegen in Berlin nur zustimmen. "Die Zulassungszahlen bei Motorrädern sind deutlich gestiegen", bestätigte Wolfgang Klang von der Polizei in Berlin. In diesem Jahr - allerdings mit Stand Januar - wurden nach Auskunft der Zulassungsstelle 3400 Motorräder neu zugelassen. Insgesamt fuhren Anfang 1999 über 76 300 Zweiräder in Berlin. Allerdings werden viele über den Winter stillgelegte Zweiräder erst im März/April wieder angemeldet.

Als weitere mögliche Ursache für die hohe Zahl der Unfälle, an denen Motorräder beteiligt waren, sieht Wolfgang Klang auch das schöne Wetter im Juli, das überproportional viele Eigentümer zu einer Fahrt mit ihrem PS-starken Gefährt lockte.

Dazu kommt Selbstüberschätzung, denn in drei Fällen verloren die Zweiradfahrer ohne Einwirkung anderer Verkehrsteilnehmer die Gewalt über ihr Fahrzeug und prallten gegen Bäume oder Laternen. Allerdings sind die Zweiradlenker offenbar zurückhaltend, wenn es um den Genuss von Alkohol geht. Keiner der elf in Berlin ums Leben gekommenen Fahrer war betrunken. Alle Opfer waren Männer. Der jüngste Motorradtote war 20, der älteste 58 Jahre alt.

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