Berlin : Zahl der Straftaten vor G-8-Gipfel nimmt weiter zu

In der Nacht zu Donnerstag brannte wieder ein Auto Polizei erhöht Präsenz in Friedrichshain-Kreuzberg

Jörn Hasselmann

Jede Nacht ein Brandanschlag, jede Nacht eingeschlagene Scheiben, jede Nacht Farbbeutel gegen Fassaden. Drei Wochen vor Beginn des Weltwirtschaftsgipfels in Heiligendamm steigt die Zahl der politisch motivierten Straftaten immer stärker an. In der Nacht zu Donnerstag wurde in Friedrichshain ein – nach Polizeiangaben „hochwertiger“ – Chrysler angezündet. Das neuwertige US-Modell vom Typ 300 C, das an der Ecke Mühsam- und Eckertstraße stand, wurde stark beschädigt. Passanten hatten gegen 2.10 Uhr die Flammen bemerkt und die Feuerwehr gerufen. Etwa zur gleichen Zeit flogen hundert Meter entfernt, an der Karl-Marx-Allee, Steine und Farbbeutel gegen eine Filiale des Kaffeerösters Tchibo. Der Konzern steht seit etwa zwei Jahren im Fokus Linksradikaler, da angeblich Kleidung verkauft wird, die von unterbezahlten Näherinnen in Bangladesh produziert wird. Nach Angaben des Hamburger Verfassungsschutzes hatten Unbekannte Ende 2005 einen Brandanschlag auf den Wagen eines Tchibo-Vorstandes damit begründet und zur Mobilisierung gegen den Weltwirtschaftsgipfel aufgerufen. Die Razzia bei G-8-Gegnern in der vergangenen Woche hatte die Bundesanwaltschaft unter anderem mit diesem Anschlag begründet.

In den Nächten zuvor waren ein Daimler in der Holzmarktstraße und ein Fahrzeug der Deutschen Bahn angezündet worden. Die Polizei hat deshalb ihre nächtliche Präsenz in Friedrichshain und Kreuzberg deutlich erhöht – auch in Zivil. Nach Angaben der Polizei haben Linksextremisten in diesem Jahr bereits mehr als 40 Brandanschläge verübt.

Völlig unklar ist, ob auch die fünf Brandstiftungen in Wohnhäusern in der Nacht zu Donnerstag politisch motiviert waren. In fünf Hauseingängen zwischen Revaler und Simplonstraße waren Mobiliar, Kinderwagen, Mülltonnen und Pappkartons angezündet worden. Sollte ein politisches Motiv ermittelt werden, wäre dies ein Quantensprung, sagte ein Ermittler. Derzeit wird Gewalt gegen Personen von den meisten Linksextremisten abgelehnt. Bei einem offensichtlich links motivierten Anschlag am Montag war ein Personenschaden nicht ausgeschlossen. Unbekannte hatten in einer Tiefgarage in der Reichenberger Straße Baumaterial entzündet. Bevor die Flammen auf mehrere teure Autos, darunter ein Bentley, übergreifen konnten, hatte die Feuerwehr die Flammen unter Kontrolle. An die Wand hatten die Brandstifter geschmiert: „Gegen Reichtum in Kreuzberg“. Die Garage gehört zu einem Nobel-Neubau mit teuren Eigentumswohnungen. Hätten sich die Flammen ausbreiten können, hätte giftiger Qualm sehr wohl Menschen gefährdet, hieß es.

An einer linken Demo gegen den Besuch des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy nahmen am Mittwochabend nur etwa 100 Menschen auf dem Pariser Platz teil. Die Polizei beschlagnahmte ein Transparent, auf dem Sarkozy geschmäht wurde als „Präsident eines Landes voller Bekloppter und Idioten“. Zwischenfälle gab es nicht.

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