Berlin : Zahlen, bitte!

Das Statistische Jahrbuch 2006 zeigt, dass die Stadt weiter wächst – und immer mehr Besucher kommen

Katja Füchsel

Etwas Positives gefällig? Berlin wächst, seit drei Jahren wieder einmal, und hat nun den höchsten Bevölkerungsstand seit 1999 erreicht. Zu verdanken haben wir das Plus vor allem den jungen Ausländern (zwischen 18 und 30 Jahren), die zum Studieren oder Arbeiten nach Berlin kommen, vor allem aus Polen, der Türkei, Amerika und Frankreich. 3 395 200 Menschen leben jetzt in Berlin.

Das war’s dann auch schon fast. Sonst hatte Klaus Voy, Vize-Direktor des Statistischen Landesamtes, gestern bei der Präsentation des Jahrbuchs 2006 nicht viel Frohes zu verkünden, im Gegenteil. „Von einem wirtschaftlichen Boom kann keine Rede sein“, sagte Voy, während er Folien auf den Projektor legte, die alle dasselbe bewiesen: Das Wirtschaftswachstum fällt in Berlin deutlich niedriger aus als in anderen Teilen Deutschlands, die Einkommen sind schwach, und einen Zuwachs gibt es vor allem bei der Zeitarbeit, den schlecht verdienenden Selbstständigen und den Mini-Jobbern. Immerhin: Viele der bunten Kurven zeigten an ihrem Ende eine zarte Tendenz nach oben. Bei den Erwerbstätigen etwa und ganz deutlich beim Berliner Außenhandel. Es könnte ein Zeichen sein, sagte Voy. „Für den Beginn eines Aufschwungs.“

Arm oder reich – zumindest den Berlin-Touristen scheint das herzlich egal zu sein. Seit 1992 schreibt Berlin in jedem Jahr einen neuen Rekord, was die Zahl der Gäste sowie Übernachtungen betrifft. Und da wird auch 2006 voraussichtlich keine Ausnahme machen. Bis Oktober dieses Jahres haben die Statistiker jedenfalls rund 5,9 Millionen Gäste und 13,5 Millionen Übernachtungen gezählt; das sind wieder einmal rund neun Prozent mehr als im Vorjahr.

Was noch neu war? Dass erstmals seit neun Jahren mehr Kinder und Jugendliche an den Berliner Schulen registriert wurden; ihre Zahl stieg im Schuljahr 2005/06 von 341 000 auf rund 342 000. Seit 1997 hatten die Statistiker bei ihrem Jahresbericht immer einen Rückgang zu vermelden – mal um 8000, mal um 10 000 Schüler. Das Plus 2006 bildet aber keine Trendwende ab, sondern dürfte auf lange Zeit ein einmaliges Ereignis bleiben: Weil 2005 die Schulpflicht auf fünfeinhalb Jahre gesenkt wurde, gab es rund 50 Prozent mehr Erstklässler als sonst. 37 000, um genau zu sein.

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