ZAHLEN UND FAKTEN : Modellbau, Junkiehaus, Kultobjekt

Das Neue Kreuzberger Zentrum (NKZ) ist mit 295 Wohnungen, mehr als 1200 Bewohnern und etwa 90 Ladenlokalen ein unübersichtliches Gebilde. Doch nicht nur aus diesem Grund, sondern auch zum Schutz der Persönlichkeiten verorten die Zahlen auf unserem großen Bild die Protagonisten unseres Textes nicht auf den Balkon genau. Das NKZ wurde zwischen 1972 und 1974 von der NeuesKreuzberger-Zentrum-Gesellschaft errichtet. Laut Stadtplanungsamt sollte es „Kreuzberg und das Kottbusser Tor“ aufwerten, zudem umliegende Wohnbebauung gegen die in der Nähe geplante Stadtautobahn abschirmen. Gleichzeitig war der Komplex als Abschreibungsprojekt geplant. In den 80er Jahren gelangte das Haus immer wieder in die Schlagzeilen, vor allem wegen der Junkies, die sich in den Fluren und Treppenhäusern Spritzen setzten. Die Stadt entschied im Jahr 2004, keine weiteren öffentlichen Gelder in das Haus zu stecken – bis dahin waren umgerechnet etwa 52 Millionen Euro geflossen. Seitdem zeichnet die zuständige Hausverwaltung allein für die Instandhaltung des Objekts verantwortlich. Im Gegensatz zu den Wohnblöcken am südlichen Rand des Kottbusser Tors – deren Bewohner am Protestcamp Kotti & Co gegen zu hohe Mieten protestieren – sind die Mieten im NKZ aber weiter so niedrig, dass sie – bei Mietern, die Hartz IV empfangen – das Jobcenter übernimmt. Ein einheitlicher Quadratmeterpreis ist nicht zu nennen, genaue Zahlen existieren auch nicht über den Anteil der Bewohner mit Migrationshintergrund. In den 90er Jahren wurde das Neue Kreuzberger Zentrum umbenannt in Zentrum Kreuzberg. Der Name hat sich nicht durchgesetzt, deshalb verwenden wir den alten Namen. vf

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