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Spezialkliniken für Frühgeborene

In Berlin gibt es sieben Perinatalzentren, die bestimmte technische und personelle Anforderungen erfüllen müssen, um extrem Frühgeborene versorgen zu dürfen (siehe Tabelle unten). Dazu gehören zum Beispiel Intensivstationsplätze zur Versorgung der Frühchen, eine Rund-um-die-Uhr-Anwesenheit eines spezialisierten Arztes und ein mindestens 30-Prozent-Anteil von Schwestern und Pflegern, die für die Betreuung von Neugeborenen weitergebildet sind. Die Perinatalzentren werden in zwei Stufen unterteilt: Level 2 ermöglicht die Versorgung der Frühgeborenen zwischen 1250 und 1500 Gramm, Level 1 die Versorgung von Kindern mit einem Gewicht von unter 1250 Gramm. Dann sind die Anforderungen noch höher.

Komplikationen und Qualität

Seit 2009 sind Perinatalzentren verpflichtet, einmal jährlich einen Qualitätsbericht mit Angaben zu bestimmten Parametern, wie Überlebensrate der Frühchen, Anzahl von Hirnblutungen oder Darmschäden (siehe Grafik) zu veröffentlichen. Diese Parameter sind auch die Grundlage der Qualitätsdaten in der unten stehenden Tabelle.

Die Überlebenswahrscheinlichkeit hängt vom Schwangerschaftsalter, Geburtsgewicht und auch vom Geschlecht ab. Bei Mädchen ist sie größer als bei Jungen. Ab der 28. Schwangerschaftswoche liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit des Kindes bei über 90 Prozent. Nach der 32. Woche sei das Sterberisiko quasi ausgestanden, sagen Ärzte.

Spätschäden

Von den bis zur 28. Schwangerschaftswoche Geborenen leidet jedes zweite unter Problemen, wie spastische Lähmungen oder ein beeinträchtigtes Sehvermögen. Spätfolgen können noch im zweiten oder dritten Lebensjahr auftreten: eine verzögerte Sprachentwicklung zum Beispiel, Aufmerksamkeitsdefizite oder eine Lernschwäche. Aber: Nicht nur die Überlebenschancen haben sich durch die medizinischen und auch infrastrukturellen Entwicklungen (Perinatalzentren) verbessert, sondern auch die Möglichkeiten, Spätschäden zu verhindern. Obwohl in den letzten Jahrzehnten immer jüngere Frühgeborene überleben, hat die Zahl der geborenen Kinder mit Behinderungen nicht zugenommen.

Klinikauswahl

Auch wenn sich nicht immer früh genug erkennen lässt, ob eine normale Schwangerschaft in eine Risikogeburt mündet, so bleibt meist Zeit, im Falle eines Falles die Schwangere in ein Perinatalzentrum zu verlegen. Selbst nach dem Blasensprung könne man die Geburt häufig noch um zwei, drei Wochen verzögern, vorausgesetzt, dem Fötus gehe es gut, sagen Ärzte.

Hilfe und Beratung:

Bundeselternverband „Das frühgeborene Kind e. V.“, Telefon: 01805- 875877 (Di. und Do. 9.00–12 Uhr, 0,14 €/Min.; Beratung und Vermittlung von Selbsthilfegruppen);

Internet: www.fruehgeborene.de

Kommentare der Kliniken zu den Daten in der untenstehenden Tabelle

Ev. Waldkrankenhaus Spandau

Überlebensrate Kinder bis 1250 Gramm

„Die Überlebensrate liegt bei 95 Prozent. Eines der beiden in 2008 verstorbenen Frühgeborenen kam mit einer prognoseentscheidenden, angeborenen

Fehlbildung zur Welt, die ein Überleben unmöglich macht (Potter-Sequenz-Syndrom mit Nierenagenesie).“ I.B.

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