• Zahlreiche Prominente gehören zu den Stammkunden und auch in Mailand und Rom ist der Uradel unter den vielen italienischen Restaurants in der Stadt bekannt - zu Recht

Berlin : Zahlreiche Prominente gehören zu den Stammkunden und auch in Mailand und Rom ist der Uradel unter den vielen italienischen Restaurants in der Stadt bekannt - zu Recht

Elisabeth Binder

Marburger Str. 5, Charlottenburg, Tel. 211 8687, geöffnet tägl. ab 18 Uhr und tägl. außer sonntags von 12 - 15 Uhr. Alle KreditkartenElisabeth Binder

Das Bacco zählt gewissermaßen zum Uradel unter den vielen italienischen Restaurants in der Stadt. Zur wahrhaft vornehmen Aura gehört, dass man sich nicht in das Rattenrennen um Sterne und Auszeichnungen einmischt. Die einzige Ausschweifung der Eitelkeit, die wir entdecken konnten, war eine kleine Galerie von Ehrenurkunden über der Eingangsvitrine, viele davon italienischer Provenienz. Ansonsten scheint zu gelten: Sollen die anderen doch mit den Gutachtern des Reifenfachhandels kämpfen, Hauptsache, die Stammkunden wissen, dass es hier schmeckt. Dazu gehört auch, dass man in Mailand und Rom ebenfalls bekannt ist, ohne davon übermäßiges mediales Aufhebens zu machen. Zwar hat dort schon Gina Lollobrigida, die, wie etwa auch Sophia Loren, zu den Stammgästen zählt, eine Pressekonferenz gegeben, aber sowas ist eine Ausnahme.

Kein Wunder, dass mein Begleiter aus Blankenese sich auf Anhieb wohl fühlte. Er ist einfach ein Patina-Mensch, und wenn er dunkles Holz sieht und so eine altarrivierte Atmosphäre verspürt, verliert er jeden Blick für kleine Mängel. Ich hatte gehört, dass ein Ehrgeiz-Schub die Bacco-Küche gründlich renoviert habe. Am Ambiente war der Schub nicht zu erkennen. Das wird getragen von so einer offensiven 70er Jahre Bescheidenheit. Auf den Holztischen sind lediglich dunkelrote (und in unserem Fall nicht mal ganz makellose) Mitteldeckchen aufgelegt.

Die Ankunft köstlichen Pizzabrots mit wunderbarem Öl und eines Schüsselchens sehr qualitätsreifer Schrumpeloliven beendete die reflektive Phase. Dass die Speisekarte mit ziemlicher Verzögerung kam, will ich mal als Zeichen der Gastfreundschaft werten, so nach dem Motto: Sie dürfen sich an Brot und Oliven satt essen und brauchen nichts weiter zu nehmen. Das wäre ein Fehler: Nachdem wir unseren schönen Prosecco (10 DM) und gekonnt gemixten Negroni (10 DM) ausgetrunken hatten, erwartete uns der Ehrgeiz-Schub, und der war einfach köstlich. Mit Grandezza wurde das Carpaccio vom Kalbsfilet am Tisch zubereitet, mit Champignons, Zitrone, nativem Olivenöl, Trüffelöl, Salz aus der Salzmühle und Pfeffer aus diesem phallischen Riesengerät.

Am Ende hobelte der Ober großzügig Trüffel über das Carpaccio. Es war ganz einfach wunderbar, mein Begleiter hatte inzwischen sogar vergessen, dass er sich in diesem schrecklichen Berlin befand (32 DM). Auch das Risotto, in der kleinen Portion mit unwesentlich weniger Trüffelscheiben versehen, schmeckte so gut, dass man sich jedes Reiskorn einzeln hätte auf der Zunge zergehen lassen sollen (26 DM).

Die Weinkarte bietet nur italienische Weine, darunter viele von den richtigen. Wir tranken aus der bezahlbaren Sektion einen 97er Bianco von Antinori. Die Grigliata von Mittelmeerfischen war so reichlich bemessen, dass ich sie unmöglich aufessen konnte (45 DM). Ich wüsste nicht mal einen Favoriten zu nennen unter Loup de Mer, Scampi, Schwertfisch, Dorade und Calamaretti. Dazu Salat mit der Art von verführerischem Dressing, die es überall dort gibt, wo ein Essig-und-Öl-Kult betrieben wird. Da hatte mein Begleiter mit seiner Dorade auf wunderbaren frischen Tomaten mit Basilikum etwas klüger und überschaubarer gewählt, seine Begeisterung war eh nicht mehr einzudämmen (40 DM). Er freute sich denn auch an seinem Semifreddo Stracciatella mit Nüssen, Schokoladenstückchen und Ricotta, ein würdiger Abschluss (12 DM). An mir probierte der Service seine schon vorher gelegentlich durchschimmernde, sanft pädagogische Ader aus. Ich hatte mir den Vin Santo (die italienische Antwort auf Eiswein) nämlich ohne die dazu vorgesehenen Cantuccini gewünscht, aber da gab es keine Gnade: "Sie müssen einen Keks probieren und in den Wein eintauchen", beschied mich der Ober und stellte ein Kristallgefäß mit Keksen auf den Tisch. Dann ließ er auch die Umsitzenden von dem süßen Wein kosten (die kriegten ihn ohne Kekse!). Ich habe dann drei genommen, weil sie wirklich sehr gut dazu passten.

Wenn die Mannschaft im Bacco nicht sehr gut Acht gibt, könnte der Ehrgeiz-Schub die Auszeichnungsgalerie am Ende doch noch ins Protzige wandeln.

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