Berlin : Zahn- und Mundgesundheitsforum: Doppelt erklärt besser

Regina Köthe

"Der Zahn muss bald raus, sonst gibt es Komplikationen." Wer diesen Satz hört, nickt erstmal automatisch, bedankt sich und verlässt niedergeschlagen die Zahnarztpraxis. Und dann fängt man an zu grübeln: Muss der Zahn wirklich raus? Gibt es vielleicht noch andere Behandlungsmöglichkeiten oder kann ich zumindest noch ein paar Monate warten? Der Zahnarzt hat es erklärt, aber so richtig verstanden hat man es in der Aufregung nicht. Oft sind Patienten verunsichert und möchten noch eine andere fachliche Meinung hören, bevor sie sich zu einer aufwendigen, unangenehmen und oft auch kostspieligen Behandlung entschließen.

Auch wenn der behandelnde Zahnarzt vieles erklärt hat, bleiben für den Laien oft Fragen offen. Deshalb gibt es seit knapp einem Jahr die unabhängige Patientenberatungsstelle im Zahnärztehaus in der Georg-Wilhelm-Straße in Wilmersdorf. Sie ist eine gemeinsame Initiative der Zahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV). Das Beratungsangebot wurde von den Patienten sofort angenommen. Bisher haben insgesamt 590 Patienten dieses kostenlose Angebot genutzt. "Vieles lässt sich im persönlichen Gespräch einfacher klären", so die Erfahrung von Karl Georg Pochhammer, stellvertretender Vorsitzender der KZV. Anfangs wurde nur ein Mal in der Woche eine Sprechstunde angeboten, doch aufgrund der regen Nachfrage findet sie jetzt an drei Tagen pro Woche statt.

Die Ratsuchenden kommen aus ganz Berlin und Umgebung. Nach telefonischer Anmeldung erhält man bei der Patientenberatung einen Termin. Die Wartezeit beträgt im Augenblick circa zwei Wochen. Besonders wichtig war den Initiatoren, dass praktizierende Fachärzte die Beratung durchführen. "Wir wollen vor allem Patientenfragen konkret beantworten", erklärt Karl Georg Pochhammer. In einem hellen Raum wird man in entspannter Atmosphäre an einem runden Tisch von einem Zahnarzt oder einer Zahnärztin beraten. Wenn der Blick in den Mund notwendig wird, steht auch eine Behandlungseinheit im Raum zur Verfügung.

Eine Besonderheit ist die Interoralkamera. Mit ihr hat man die Möglichkeit, sich selbst in den Mund zu schauen. Auf einem Monitor sieht man die eigenen Zähne und den Mundinnenraum. Das sei in manchen Fällen sehr hilfreich bei der Erklärung.

Ziel der Beratungsstelle ist es, die Beurteilungsfähigkeit der Patienten zu vergrößern. Bei der Beratung wird der medizinische Sachverhalt erklärt, Konsequenzen und mögliche Folgekosten werden benannt. Das Themenspektrum der Ratsuchenden ist breit: Fragen zum Zahnersatz stehen an erster Stelle, aber auch über Implantate sowie kieferorthopädische Behandlungsverfahren und zu Kosten besteht ein hoher Informationsbedarf. Einige Patienten kommen mit Rechnungen, die sie nicht verstehen oder nicht akzeptieren. Hier erklären und erläutern die Ärzte die Details, denn für einen Laien sind die Gebührenziffern nicht immer einfach zu verstehen.

Nicht nur die Patienten, auch die Berliner Zahnärzte sind von der Beratungsstelle überzeugt. Zum einen schicken sie verunsicherte Patienten zur Beratung, zum anderen kommen manche Kollegen sogar selbst mit ihren Patienten, um sich in schwierigen Fällen unterstützen zu lassen. Wenn noch Fragen offen bleiben, dann vermittelt die Beratungsstelle den Kontakt zu anderen Fachleuten, sei es die Gutachterstelle der KZV oder ein Spezialist von der Universität. Und wenn es sich um Beschwerden handelt, dann werden den Patienten die zuständigen Schlichtungsstellen benannt. "Wir lassen den Patienten nicht alleine", betont Karl Georg Pochhammer. Die Beratung ist erst abgeschlossen, wenn der Ratsuchende Antwort auf seine Fragen gefunden hat.

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