Berlin : Zahnarztrechnungen in Millionenhöhe gefälscht

Nach Betrug im Verwaltungsamt will Innenbehörde Kontrollen verschärfen. Zwei Frauen in Haft

Jörn Hasselmann

Arztrechnungen über bis zu 1,4 Millionen Euro – und trotz dieser gigantischen Summe fällt sechs Jahre lang nichts auf. Der am Donnerstag aufgedeckte Betrug im Landesverwaltungsamt mit gefälschten Arztrechnungen ist offensichtlich nur durch Zufall aufgedeckt worden. Eine echte Kontrolle gibt es nicht. Zwei Frauen sollen das Amt um 730.000 Euro betrogen haben. Die 38-jährige Ehefrau eines Wachtmeisters des Amtsgerichts Neukölln hatte sechs Jahre lang gefälschte Arztrechnungen für ihren Mann beim Landesverwaltungsamt eingereicht.

Die 55-jährige war Angestellte dieser Beihilfestelle und hatte seit 2002 alle von ihrer Bekannten eingereichten Rechnungen akzeptiert. Die Innenverwaltung teilte gestern mit, dass erst Summen über 8000 Euro untersucht werden. Zudem werden fünf Prozent aller Anträge stichprobenmäßig geprüft. Dieser Fall von „erheblicher krimineller Energie“ werde zum Anlass genommen, eine „Sicherheitsoptimierung“ in dem Amt vorzunehmen, hieß es aus der Innenbehörde.

Der Wachtmeister will von den Betrügereien seiner Ehefrau nichts gewusst haben. Er gilt zwar weiter als Beschuldigter, doch eine Beteiligung oder Mitwisserschaft konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Dazu wurden dem Vernehmen nach auch Schriftproben der Eheleute ausgewertet. Diese zeigten nach Angaben der Justiz, dass die Frau die Rechnungen gefälscht habe. Auch den auffälligen Geldsegen auf dem Konto will der Wachtmeister nicht bemerkt haben, da seine „Frau sich ums Finanzielle kümmert“, wie er bei der Vernehmung sagte. Gegen ihn hat die Justizverwaltung ein Disziplinarverfahren eingeleitet, er darf aber weiter zum Dienst kommen. Derzeit allerdings hat sich der 39-Jährige krank gemeldet.

Seine Frau kennt die 55-jährige Sachbearbeiterin aus der Beihilfestelle gut, beide wohnen im Landkreis Havelland nicht weit voneinander entfernt. Die 730 000 Euro haben sich die beiden Frauen je zur Hälfte geteilt, ermittelte die Staatsanwaltschaft. Beide sitzen jetzt in Haft. Die Staatsaanwaltschaft wirft ihnen Bestechung und Bestechlichkeit vor.

Dem Vernehmen nach hat die 38-Jährige vor allem Zahnarztrechnungen gefälscht, hieß es. Ein Arzt soll nicht an dem Betrug beteiligt gewesen sein. Zwar haben die Ermittler viele Beweise bei der Durchsuchung der Wohnungen und Diensträume der Beteiligten gefunden – aber kein Geld. Auch das Häuschen, in dem das Ehepaar lebt, sei deutlich weniger wert als der erschwindelte Anteil von 365 000 Euro.

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