Zahnspange : Keine Bange mit der Spange

Das Tragen einer Zahnspange muss kein Leidensweg sein. Ein Jugendlicher und der Vater einer Fünfjährigen sprechen über ihre Erlebnisse.

Aufgezeichnet von Martin Kaluza und Stefan Jacobs
Fürs Leben. Zahnspangen korrigieren nicht nur Fehlstellungen einzelner Zähne, sondern des ganzen Kiefers.
Fürs Leben. Zahnspangen korrigieren nicht nur Fehlstellungen einzelner Zähne, sondern des ganzen Kiefers.Foto: Imago

Milan (12, Name geändert):

 Seit Oktober 2015 habe ich feste Zahnspangen, ich trage sie noch bis Juli. Eine am Ober-, eine am Unterkiefer. Sie sind mit Brackets auf den Zähnen aufgeklebt. Viele glauben, die Brackets liegen nur auf dem Zahn auf, aber sie sind angeklebt, damit sie nicht abrutschen. Ich konnte mir die Farbe der Brackets aussuchen: unten silbern, oben weiß. Die obere ist dadurch besser getarnt. Wenn ich lächle, möchte ich nicht, dass jeder sofort meine Spange sieht. Ich wollte wegen ihr auch nicht in der Schule gemobbt werden. Aber das ist dann auch gar nicht passiert. Zuerst hatte ich gar keine Angst davor. Dann habe ich gehört und im Internet gelesen, dass Mobbing manchmal vorkommt, das hat mir ein bisschen Angst gemacht. Aber von meinen Freunden hatte niemand Probleme. Ich habe mich trotzdem für die weißen Brackets entschieden, zumindest oben. Unten sind sie ja eh meist durch die Unterlippe verdeckt.

Ich hatte früher schon Spangen, die man herausnehmen konnte. Meine feste Spange bleibt jetzt immer drin. Bei der herausnehmbaren war das Problem: Immer, wenn ich sie nach länger Zeit wieder reinnahm, tat es weh. Zähne und Kiefer mussten sich jedes Mal wieder daran gewöhnen. Einmal habe ich sie eine ganze Woche nicht getragen. Mit der festen Zahnspange passiert das natürlich nicht.

Der Nachteil bei der festen Spange ist, dass ich meine Zähne gründlicher putzen muss. Daran musste ich mich erst mal einen Monat lang gewöhnen. Es gibt für elektrische Zahnbürsten spezielle Köpfe für Spangen. Mit einem normalen Kopf putzt man vor allem die Brackets. Ich habe deswegen noch so kleine Zahnbürstchen. Die kann man sich vorstellen wie die Bürsten, die es für die Zahnzwischenräume gibt – nur ich habe die eben für den Bereich zwischen den Brackets und den Zähnen. Am Anfang habe ich bestimmt eine Viertelstunde dafür gebraucht – inzwischen nur noch zwischen fünf und acht Minuten.

Fehlstellungen des Kiefers können Auswirkungen auf den ganzen Körper haben

Die herausnehmbaren Spangen hatten nicht ausgereicht, meinen Kiefer zu korrigieren. Mein Unterkiefer lag früher viel zu weit hinten. Das kann auf den ganzen Körper Auswirkungen haben und der Rücken dadurch etwas krumm werden. Ich zum Beispiel habe Plattfüße. Als ich deswegen beim Physiotherapeuten war und meine Spange erwähnt habe, meinte er, dass die Plattfüße tatsächlich mit dem Kiefer zusammenhängen können. Ich muss deshalb kleine ringförmige Gummis tragen. Du hakst sie an einem Bracket hinten am Unterkiefer fest und dann das andere Ende an einem Bracket weiter vorne am Oberkiefer. So wird der Unterkiefer nach vorne gezogen. Zuerst musste ich sie den ganzen Tag tragen. Aber wenn man sich daran hält, meinte die Kieferorthopädin, könne man die Gummis irgendwann tagsüber weglassen. Bei mir war das nach einem halben Jahr so weit. Jetzt trage ich sie nur noch nachts. Das ist ganz angenehm. Man merkt es gar nicht. Nur beim Essen hat man nicht den gleichen Bewegungsfreiraum wie sonst. Gähnt man stark, können sie auch mal reißen.

Ich muss selten zur Kieferorthopädin, außer es ist ein Bracket abgefallen, dann gehe ich sofort. Ansonsten alle sieben Wochen zur Kontrolle und Prophylaxe. Dann stellt sie die Drähte etwas enger, damit die Zähne zusammenrücken. Sie hat sich viel Zeit für mich genommen. Falls es Probleme gibt und ein Bracket abfällt, hat sie mir gezeigt, was man tun kann, damit es nicht so herumwackelt. Mir ist schon drei Mal ein Bracket abgefallen. Das ist nicht so schlimm, aber es ist ein Aufwand, sie wieder anzukleben – und teuer. Ich würde jedem empfehlen, dem Kieferorthopäden genau zuzuhören, was man essen darf. Bestimmte Sachen sind nämlich zu klebrig, und die ziehen dann die Brackets ab. Ich habe nicht so gut zugehört und Maoam, Kaugummis, Nimm2- Bonbons gegessen. Solche dehnbaren Süßigkeiten ziehen die Brackets ab wie ein Saugnapf.

Ich würde jedem, der eine Spange bekommt, raten, gut die Zähne zu putzen und Sachen, die man nicht essen darf, wirklich zu vermeiden. Und immer gut der Kieferorthopädin zuhören, nicht einfach dasitzen und denken: Mama macht das schon für mich. Man braucht keine Angst vor der Spange zu haben. Es ist ganz normal, dass sie vielleicht so 24 Stunden wehtut. Man gewöhnt sich an sie.

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