Berlin : Zaungäste

Lothar Heinke

Zweimal werden wir noch wach . . . Es ist wie kurz vor der Bescherung. Was kriegen wir? Welche Wünsche werden erfüllt? Und welche nicht? Zu diesem Punkt der aktuellen Tagesordnung vermelden wir die erste Bauchlandung. Den Stimmen, die davor warnten, das Hotel „Unter den Linden“ noch vor der WM einfach verschwinden zu lassen, also abzureißen, und so die berühmte Kreuzung Linden/Friedrichstraße ohne Not zu verschandeln, hielt der Investor Meag vollmundig entgegen: Statt Baugrube gibt’s ein Fancamp mit Super-Video-Leinwand, alles paletti. Wer wollte da widersprechen? Mit den Zauberbuchstaben WM kannst du seit Wochen alles bekommen, sogar die Stadtmitte.

Oder auch nicht. Denn nun ist der italienische Camp-Ausrichter abgesprungen, statt Leinwand steht ein Bauzaun in der hier besonders würzigen Berliner Luft. Megacool. Der Bezirk ist konsterniert. Die Senatsbauverwaltung sagt, dies sei schließlich nicht ihre Baustelle, basta, Investoren bestimmen eben den Zeitplan, nicht die Hüter von Traufhöhe und Bordsteinkante. Der Passant aber denkt sich seinen Teil über Macht und Ohnmacht der angeblich so Mächtigen, und schon zieht er weiter, zur nächsten Fanmeile, zu Bratwurst, Bier und Schweinsteiger, überlebensgroß.

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