Berlin : Zaungäste

Andreas Conrad

Berlin ist keine Bananenrepublik, auch diesmal wird bei der Wahl alles mit rechten Dingen zugehen. Dennoch, ein undemokratischer Rest bleibt, eine Leerstelle im System – und kein Offizieller regt sich auf. Da entscheidet der Wähler also über die nächsten fünf Jahre, an sich nur die eigene Zukunft, doch ebenso die Zigtausender, die nur Opfer sind, hilflos ausgesetzt der Berliner Politwetterlage. Tagein, tagaus pendeln sie zwischen Berlin und Umland, bieten hier ihre Arbeit an, versuchen dort sich zu regenerieren – und haben weniger Einfluss als Galeerensklaven. Entspricht das der UN- Menschenrechtscharta? Oder bleibt ihnen nicht auch vieles erspart, so dass der Mangel wieder ausgeglichen wird? Denn es hat was für sich, auf dem Weg aus der Stadt in Gegenden vorzustoßen, wo nicht jeder zweite Straßenbaum mit den Konterfeis der zu wählenden Politiker vollgehängt ist. Und sollte das Wahlergebnis haarsträubend ausfallen – sie jedenfalls können kundtun: Ich war’s nicht.

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