Berlin : Zehlendorf: Berüchtigte Namen sollen weg

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Die Iltis-, die Taku- und die Lansstraße in Dahlem, in denen mehrere Institute der Freien Universität liegen, sollen umbenannt werden. Das jedenfalls fordern seit Jahren eine FU-Initiative und SPD-Politiker.

"Iltis", "Taku" und "Lans" erinnern an eine Militäraktion in China 1900 und 1901 unter deutschem Oberbefehl. Dabei wurde der so genannte Boxeraufstand, der sich gegen den deutschen Kolonialismus auf der Halbinsel Schantung wandte, niedergeschlagen. Es gab mehr als 100 000 Tote. "Iltis" hieß das Kanonenboot der deutschen Marine, Lans dessen Kommandant. Das Kriegsschiff beschoss am 17. Juni 1900 die chinesische Festung Taku. "Pardon wird nicht gegeben", hatte Kaiser Wilhelm II. seine Soldaten in der berüchtigten "Hunnen-Rede" in Bremerhaven instruiert, bevor die Schiffe in See stachen - ein Freibrief zum Töten, von dem die deutschen Truppen regen Gebrauch machten, auch - das war bis dato neu in der Kriegführung - gegen die Zivilbevölkerung.

Seit den 70er Jahren sind alle Versuche einer Umbenennung gescheitert. "Wir halten das mit den drei Straßennamen verbundene Bekenntnis zur massenhaften und willkürlichen Liquidation von Menschen, die man als minderwertige Rasse ansah, nicht für hinnehmbar", heißt es in einer Petition der FU-Initiative. Die Zehlendorfer SPD fordert in der heutigen Steglitz-Zehlendorfer Bezirksverordnetenversammlung erneut eine Umbenennung der Lansstraße in Ernst-Fraenkel-Straße, der Takustraße in James-Franck-Straße und der Iltisstraße in Helmut-Gollwitzer-Straße. Im vergangenen Jahr waren die Straßen für einen Tag symbolisch umbenannt worden. Nach Ansicht der Initiatoren verherrlichen die Straßennamen deutschen Militarismus und Rassismus. Doch nach einer Ausführungsvorschrift von 1997 zum Berliner Straßengesetz dürfen nur Namen ersetzt werden, die an Nationalsozisalisten oder Verfechter stalinistischen DDR-Unrechts erinnern.

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