Berlin : Zehlendorf: Buchhändler muss schönsten Bahnhof Berlins räumen

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Von den vier im S-Bahnhof Mexikoplatz ansässigen Händlern ist einem gekündigt worden. Wenige Tage nach dem Verkauf des Gebäudes an zwei Privatunternehmer (wir berichteten), hat der Buchhändler Manfred Kannenberg die Kündigung in der Post gefunden. Nach 20 Jahren muss er zum 30. Juni 2002 das Geschäft räumen. "Eine schriftliche Begründung gab es nicht", sagt Kannenberg, aber der Buchhändler vermutet, dass er den Neueigentümern ein Dorn im Auge war, weil er den Verkauf des Bahnhofs kritisiert und so zum öffentlichen Thema gemacht hatte.

Was mit dem S-Bahnhof geschehen soll, ist nicht entschieden. "Die beiden Eigentümer haben sich darauf verständigt, nichts zu sagen", sagt deren Anwalt Peter Dudzik. Erst wenn es ein Konzept gebe, werde man an die Öffentlichkeit gehen. Ob der Blumenhändler, das Bistro und der Tabakladen nach Ablauf ihrer mehrjährigen Kündigungsfristen ebenfalls weichen oder mit Mieterhöhrungen rechnen müssen - kein Kommentar. "Es gibt wirklich noch keine Pläne für den Bahnhof", versichert Dudzik. Verraten will er nur, dass wohl eine Apotheke einziehen wird - offenbar in die jetzige Buchhandlung.

Bei den neuen Eigentümern handelt es sich um den Chef der Imbisskette "Wurst Maxe", Thomas Drechsel, und den Autohändler Detlef Marschner. Für etwa 2,6 Millionen Mark haben sie den 1904 entworfenen, denkmalgeschützten Bahnhof vom Bundeseisenbahnvermögensamt gekauft. Die künftige Nutzung der kuppelförmigen Eingangshalle steht noch nicht fest. S-Bahn-Fahrgäste werden womöglich bald nicht mehr über den Mexikoplatz zum Bahnhof gelangen können, sondern nur noch über den Eingang in der Lindenthaler Allee.

Der vom Architekten Gustav Hart entworfene Bahnhof gilt als der schönste Berlins. Als die Verkaufspläne bekannt wurden, gründete Kannenberg den Verein "Kulturbahnhof Mexikoplatz". Künstler, Architekten und Anwohner versuchten, das Gebäude als Kulturstandort und Bürgertreffpunkt zu erhalten. Advents- und Handwerksmärkte, Lesungen und Konzerte haben den Bahnhof in der Vergangenheit mit Leben gefüllt. "Was der Verkauf städtebaulich bedeutet, wissen wir noch gar nicht", sagt Kannenberg. Einen neuen Laden wird er wohl nicht aufmachen. "So eine Buchhandlung ist geprägt vom Ort und von den Kunden", sagt Kannenberg, "diese Verwurzelung im Kiez kann man schwer verpflanzen."

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