Berlin : Zehlendorf wird zum BVG-Versuchsgebiet

Umfangreiche Änderungen im Busnetz bereits zum 19. April geplant. Angebot soll optimiert werden

Klaus Kurpjuweit

Die Busfahrgäste im Südwesten der Stadt werden zu Versuchskaninchen der BVG. Zum 19. April will die BVG in Steglitz und Zehlendorf große Teile des Busnetzes umkrempeln. Der Bezirk wird zum Pilotprojekt für die „Angebotsoptimierung“ bei der BVG. Dabei werden die Busse nicht nur auf neue Strecken geschickt, Linien werden auch verkürzt oder ganz eingestellt. Viele Fahrgäste müssen dann häufiger umsteigen. Die BVG hat ihr Konzept jetzt der Stadtentwicklungsverwaltung vorgelegt, die es nun prüfen wird.

Einzelheiten will die BVG noch nicht nennen. Nach Tagesspiegel-Informationen ist unter anderem vorgesehen, die Linie 110 nur noch bis zur Andréezeile fahren zu lassen, der Abschnitt zur Osdorfer Straße entfällt dann. Die Linie 180 (S-Bahnhof Lichterfelde Süd – Rathaus Steglitz), an der auch Schulen liegen, soll entfallen. Die Linie 185 (Lichterfelde Süd – Wittenbergplatz) wird in zwei Linien aufgeteilt – mit Umsteigen am Rathaus Steglitz. Die Linie 283 aus Marienfelde endet nach den bisher bekannt gewordenen Plänen bereits am Rathaus Steglitz und nicht mehr am Augustaplatz. Die Linie 285 vom Rathaus Steglitz zur Andréezeile, die ohnehin nur wenige Fahrten ausweist, soll gestrichen werden.

Bei ihrem „optimierten Angebot“ will die BVG nach Möglichkeit Linien, die jetzt dicht nebeneinander durch parallele Straßen fahren, auf eine Route konzentrieren. Fahrgäste müssen dann oft weiter zur Haltestelle laufen, dafür fahren die Busse dann aber auf der Hauptstrecke öfter.

Die Zehlendorfer brauchen aber auch jetzt schon Geduld. Vor allem die Busse der Linie 148 kommen nach Angaben von Fahrern häufig verspätet aus dem Zentrum in Zehlendorf an. Aufgehalten werden sie vom dichten Verkehr auf der Leipziger Straße, bei Demonstrationen geht häufig gar nichts mehr. Weil an der Endhaltestelle nur vier Minuten Zeit für den Fahrer bleibt, könnten Verspätungen nicht mehr aufgeholt werden. Fahrgäste müssten nicht selten bis zu 20 Minuten auf einen Bus warten. Lösen könnte man das Problem, wenn der 148er wie früher nur bis zur Philharmonie fahren würde und nicht bis zum Alexanderplatz. Dann hätten auch Besucher der Konzerte wieder einen direkten Anschluss Richtung Zehlendorf.

Ähnliche Verspätungen hole sich die Linie 101 im Zentrum auf der Leibnizstraße, die dann bis Zehlendorf nicht mehr aufgeholt werden könnten, so ein Fahrer.

Beim Fahrgastverband IGEB reagierte man gestern erstaunt auf den Vorstoß der BVG mit dem April-Termin. Bisher habe man geplant, Teile des Netzes erst zum großen Fahrplanwechsel im Dezember umzustellen, sagte Christfried Tschepe vom IGEB-Vorstand. Zudem habe die BVG versprochen, den Fahrgastverband bereits in der Planungsphase zu beteiligen, um noch Änderungen vornehmen zu können. In der Vergangenheit hatten die BVG-Planer nach heftigen Protesten von Fahrgästen mehrfach Änderungen im Netz wieder zurücknehmen müssen. Den 19. April für die erste Umstellung will die BVG wählen, weil an diesem Montag die S-Bahn wieder den Betrieb zwischen Charlottenburg – Zoo aufnimmt.

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