Berlin : Zehlendorfs Pech mit Immobilien

Klaus Wieking

Bereits im dritten Jahr steht die Traditionsgaststätte "Alter Krug" in Dahlem leer. Allen Ankündigungen von Finanzstadtrat Klaus-Peter Laschinsky (SPD) zum Trotz wird der Bezirk die denkmalgeschützte Immobilie zum avisierten Kaufpreis von 1,9 Millionen Mark nicht los. Die über 130 Jahre alte ehemalige Dorfschänke ist nicht das einzige bezirkseigene Gebäude, das statt Käufer zu finden nur Kosten produziert. Die Grünen sprechen von Missmanagement.

Seit Ende 1998 steht der "Alte Krug" in der Königin-Luise-Straße nach Ablauf des Vertrages des alten Pächters leer. Im Januar 1999 verkündete Dezernent Laschinsky, dass die Gaststätte "auf jeden Fall" noch im laufenden Jahr wiedereröffnet werden solle. Elf Monate später kündigte er den Verkauf des Hauses für 1,9 Millionen Mark für den Januar 2000 an einen Berliner Gastronomen an. Die Verhandlungszeit von rund einem Jahr erklärte Laschinsky mit Schwierigkeiten mit dem Landesrechungshof. Nachdem der Leerstand des Gebäudes den Bezirk zwischenzeitlich rund 20 000 Mark Betriebskosten eingebracht hat, ist der Verkauf wieder in weite Ferne gerückt. Für 1,9 Millionen Mark sei der "Alte Krug" nicht zu veräußern, sagt Klaus-Peter Laschinsky heute. Die Ursachen sind seiner Meinung nach die Auflagen des Denkmalschutzes, die Investitionskosten für die Modernisierung des Hauses sowie die Zurückhaltung der Banken. Jetzt will der Bezirk die Senatsverwaltung für Finanzen darum bitten, den Kaufpreis um einige Hunderttausend Mark herabzusetzen. Den neuen Kaufpreis will der Dezernent nicht nennen. Sobald die Minderung erfolgt ist, will der Bezirk an den Gastronomen mit dem besten Konzept verkaufen. "Das muss in nächster Zeit geschehen", meint Laschinsky.

Daran mag die Opposition nicht mehr recht glauben. Der Verkauf werde nicht energisch genug vorangetrieben, moniert Cornelius Plappert, Fraktionsvorsitzender der Grünen. "Laschinsky verwaltet nur und gestaltet nicht", meint er. Tatsächlich zieht der Bezirk einen ganzen Rattenschwanz von Immobilen-Altfällen hinter sich her, deren Geschichte weit vor dem Amtsantritt Laschinskys beginnt. Seit Jahren bemüht sich der Bezirk um den Verkauf des ehemaligen Priums-Palastes in der Gartenstraße - bisher ohne Ergebnis. Außerdem steht seit acht Jahren in der Königin-Luise-Straße 90 eine landeseigene Villa leer. Hier zogen entweder die Kaufinteressenten ihre Offerten zurück, oder dem Bezirk passte das Nutzungskonzept nicht. Zu einer Posse entwickelte sich das Tauziehen um die Gaststätte "Alte Fischerhütte" am Schlachtensee. Mehrere Ausschreibungen verliefen ohne Ergebnis, da die Pächter dem Vernehmen nach eine Million Mark Ablöse für den vorzeitigen Auszug aus dem völlig heruntergewirtschafteten Anwesen fordern. Allerdings hat der Bezirk einige triftige Gründe zur Kündigung des Pachtvertrages verstreichen lassen. Nach Ablauf des Kontrakts 2001 will er versuchen, die "Alte Fischerhütte" verkaufen.

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