Berlin : Zehn Jahre ackern: Die Domäne Dahlem fährt die Ernte ein

Katharina Körting

Lange war sie heiß umkämpft, morgen wird der Pachtvertrag unterzeichnet: Die nördliche Feldhälfte an der Pacelliallee wird damit formal der Domäne Dahlem zugesprochen. "Es ist vollbracht", sagt Jacqueline Jancke von der Domäne Dahlem. Der Vertrag gilt zehn Jahre, mit der Option, fünf Jahre zu verlängern. Mit der Unterzeichnung durch Egbert Jancke, Vorsitzender des Vereins der Freunde der Domäne Dahlem, und Finanzstadtrat Klaus-Peter Laschinsky (SPD) wird der Schlussstrich unter eine lange Debatte gezogen.

Stadtentwicklungssenator Peter Strieder und die damalige Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (beide SPD) hatten in der vorigen Legislaturperiode beabsichtigt, die 70 000 Quadratmeter große Fläche zu verkaufen, um sie mit Stadtvillen bebauen zu lassen. Doch es gab großen Widerstand gegen diese Pläne. Die hierfür erforderlichen Änderung des Flächennutzungsplanes hatte der neu gewählte Senat ad acta gelegt, nachdem rund 70 000 Bürger mit ihren Unterschriften gegen die Bebauung protestiert hatten. Auch die Zehlendorfer Bezirksverordneten hatten einstimmig gegen die Umwandlung des Ackers in Bauland votiert.

Von 1946 bis 1991 befand sich auf dem Areal das Antennenfeld des US-Radiosenders AFN. Der Sendeturm wurde 1996 abgebaut. Seit 1991 wird das denkmalgeschützte Gelände vom Agrarhistorischen Museum der Domäne Dahlem, das zur Stiftung Stadtmuseum Berlin gehört, als Weidefläche und Acker genutzt. Von den Domäne-Mitgliedern werden Garten- und Feldfrüchte angebaut, Schulklassen und Kindergartengruppen aus der Stadt lernen hier oft zum ersten Mal das Landleben kennen. Die nach Bioland-Kriterien angebauten Produkte werden im eigenen Hofladen zum Verkauf angeboten. Auch die Restaurierungswerkstätten des Museums sind auf dem Grundstück untergebracht.

Der 1976 gegründete Förderverein "Freunde der Domäne Dahlem" musste sich schon zwei Mal gegen ähnliche Bebauungspläne wehren: 1976 wollte die Freie Universität auf der südlichen Hälfte des Domänenackers ein Sportzentrum, das so genannte Schlachtschiff bauen. Diesen Plan verfolgte Rot-Grün 1989 / 90 erneut, doch der Flächennutzungsplan (FNP) von 1994 wies das gesamte, rund 18 Hektar große Gelände samt Gutshof und Feldern als "Gemeinbedarfsfläche mit hohem Grünanteil, Nutzung Kultur" aus. "Um so schockierter waren wir, als Strieder das Areal doch wieder in Bauland umwandeln wollte", sagt Jancke.

Das Gut Dahlem ist im 14. Jahrhundert als märkisches Ritterlehnsgut mit 542 Hektar gegründet worden. Die heutige Restfläche, auf der der innerstädtische Schau-Bauernhof seine Landwirtschaft betreibt, nutzen jährlich über 200 000 Besucher aus ganz Berlin als Ausflugs- und Erholungsgebiet.

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