Berlin : Zehn Jahre die Töchter missbraucht

K. G.

Die beiden Mädchen schwiegen lange. Zehn Jahre lang blieb es verborgen, dass der Vater die Kinder missbrauchte. Regelmäßig, ein- bis zweimal wöchentlich. Gestern wurde der 41-jährige Thomas T. wegen sexuellen Missbrauchs in über 450 Fällen zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt.

Er habe 1983 geheiratet und sich Kinder gewünscht, sagte Thomas T. vor dem Landgericht. In den ersten sechs Jahren war für ihn die Welt in Ordnung. Doch mit der Wende kam für den Hellersdorfer die Arbeitslosigkeit. Während seine Frau das Geld verdiente, saß er zu Hause. "Wenn ich arbeitslos war, dann war es verstärkt mit dem Alkohol und mit den Taten", gestand der Angeklagte. Es begann, als die Mädchen sechs und acht Jahre alt waren. Die ältere Tochter war selbstbewusster. Sie drohte ihm: "Ich will nicht mehr, ich sage es der Mama." Da fasste er sie nicht mehr an. Die jüngere Tochter aber reagierte wie gelähmt. Erst im Oktober 2000 zeigte sie ihren Vater an. Da hatten sich die Eltern gerade getrennt. Wenige Monate zuvor hatte sich Thomas T. auch an einer Freundin der jüngeren Tochter vergangen. Diesen Vorwurf bestritt er im Prozess. Anders als den Töchtern blieb dem Mädchen daher eine Aussage vor Gericht nicht erspart.

Der Staatsanwalt hatte eine Strafe von sechs Jahren Haft verlangt. Die Richter blieben darunter, weil sie das Prozessverhalten des Angeklagten erheblich zu seinen Gunsten anrechneten. "Er hat seinen Töchtern durch sein Geständnis eine Aussage erspart", hieß es im Urteil.

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