Berlin : Zehn Tage Warten auf den Störungsdienst

Jörg Oberwittler

Für den Anwalt in Marzahn-Hellersdorf ist die Angelegenheit beinahe existenzbedrohend. Ende Mai war in der Nähe seiner Kanzlei in Marzahn-Hellersdorf der Blitz eingeschlagen. Seitdem gibt das Telefon keinen Ton von sich. Die Mandanten können den 50-Jährigen nicht mehr anrufen, das Gericht erreicht ihn nur über den Anschluss einer Kollegin im Haus. Rund 40 Prozent seiner aktuellen Fälle habe er durch den Streik der Telekom-Mitarbeiter schon verloren. Ein Techniker kam bisher nicht. Anrufe im Callcenter und drei Faxe an den Vorstand halfen nichts: Die zugesagte „schnelle“ Hilfe blieb aus.

Auch wenn die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ihren Streik seit Ende der vergangenen Woche ein wenig zurückgefahren hat, werden die Telekom-Kunden bei einer Störung weiter länger auf Hilfe warten müssen, sagte ein Sprecher. „Durch den Streik ist keine zeitlich vernünftige Entstörung möglich. Wir werden jedem Einzelfall nachgehen.“ Bis zu zehn Tage brauche der technische Dienst derzeit im Schnitt, wenn durch Blitzeinschläge ganze Straßenzüge oder Ortsnetze ausgefallen sind. Unter normalen Bedingungen sind es drei Tage. Bei Einzelfällen gilt der 24-Stunden-Service. Eine Prioritätenliste für Unternehmen, deren Existenz von ihrer Erreichbarkeit abhängt, gebe es nicht. Lediglich für Notdienste wie Polizei und Feuerwehr ist die Telekom zur Soforthilfe verpflichtet. Wie viele Unternehmen durch den Streik benachteiligt sind, kann die Industrie- und Handelskammer nicht sagen.

Privatkunden rät Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale, mit der Kündigung zu drohen und eine Frist zu setzen, bis zu der die Störung behoben sein muss. Ein betriebsinterner Streik wie bei der Telekom falle nicht unter „höhere Gewalt“. Insofern gelte das „Sonderkündigungsrecht wegen Nichterfüllung“ des Vertrages. Jörg Oberwittler

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