Berlin : Zehn-Zentner-Bombe stoppte Flugverkehr in Tegel

RAINER W.DURING,CHRISTOPH STOLLOWSKY

BERLIN .Eine Zehn-Zentner-Bombe hat gestern nachmittag den Flugverkehr in Tegel knapp eindreiviertel Stunden lang lahmgelegt.Rund zwanzig An- und Abflüge fielen aus, während Feuerwerker den brisanten Blindgänger in einem Waldstück der Jungfernheide entschärften.Die Fundstelle befindet sich unmittelbar am westlichen Ende der Rollbahnen.

Weil die in der Jungfernheide gefundene Fliegerbombe genau in der Abflugschneise lag, wurde der Flugbetrieb von 13 Uhr 20 bis 15 Uhr während der Entschärfung aus Sicherheitsgründen gesperrt.Insgesamt vier Flugpaare von Lufthansa und Deutscher BA wurden gestrichen, weitere Maschinen hatten bis zu zwei Stunden Verspätung.Insgesamt waren nach Angaben der Flughafen-Holding rund 2500 Passagiere betroffen.

Die Flugreisenden reagierten trotz der großen Verspätung zumeist mit Gelassenheit.Geschäftsleute verschoben per Handy ihre nächsten Termine.So richtig verärgert war niemand.Einige Reisende hätten Sorge um ihre Anschlußflüge gehabt, sonst habe es keine Probleme gegeben, berichtete Stefan Kaiser vom Info-Service der Flughafengesellschaft.In Absprache mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) hatte die Polizei die verkehrsschwächste Zeit für die Bombenentschärfung gewählt.Insgesamt elf verspätete Ankünfte zeigte die Informationstafel in der Haupthalle an.Die abgehenden Flüge wurden routinemäßig eingecheckt, um sofort nach der Aufhebung der Sperrung starten zu können.

Als erste Maschine hob eine Boeing der Air France ab, Richtung Paris.Um 15.14 Uhr landete, 44 Minuten später als geplant, als erste Maschine nach der Sperrung die Aero Lloyd mit Urlaubern aus dem griechischen Araxos.Aufgereiht wie an einer Perlenschnur schwebten die nächsten Jets ein, die zuvor Warteschleifen gedreht hatten."Wir sind eine Dreiviertelstunde gekurvt, der Flugkapitän hat uns ständig informiert", berichtet eine Reisende, die mit Lufthansa aus Frankfurt eintrifft.Für die Piloten kein Problem, genügend Sprit, um eine Stunde über dem Zielflughafen zu kreisen und anschließend noch einen Ausweichflughafen anzusteuern, muß jedes Flugzeug an Bord haben.

So mußte nur der SAS-Flug aus Stockholm nach Schönefeld ausweichen.Die größte Verzögerung gab es bei der Iberia aus Madrid, die um 12.25 Uhr landen sollte, ohnehin bereits Verspätung hatte und um 15.26 Uhr eintraf.Die Lufthansa strich ein Flugpaar von und nach Stuttgart, die Deutsche BA je einen Flug aus Düsseldorf, Köln/Bonn und München samt Gegenkurs.Die Passagiere konnten auf zeitnahe Ersatzmaschinen umgebucht werden.Mit einer Ausweitung der Verspätung in die Abendzeiten hinein rechneten die Airlines nicht.

Eine Bergungsfirma hatte den Sprengkörper gegen 13 Uhr 20 im Waldstück "Jagen 45" in zweieinhalb Metern Tiefe entdeckt.Die alarmierten Feuerwerker der Polizei standen anfangs vor einem größeren Problem, denn es handelte sich um den seltenen Fall eines Sprengkörpers deutscher Herkunft, dessen Zünder sich als besonders hartnäckig erwies.

Jeden Monat neue Bombenfunde

Im Berliner Untergrund sind noch immer viele Weltkriegsbomben verborgen.Kaum ein Monat vergeht ohne neue brisante Funde.Allein im vorigen Jahr mußten die Polizeifeuerwerker zwei Dutzend Fünf- bis Zehn-Zentner-Bomben entschärfen.Meist gelingt dies problemlos - ergeben sich jedoch Schwierigkeiten, weil Zünder stark verrottet sind, so werden die Bomben auf dem Sprengplatz der Polizei im Grunewald unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen unschädlich gemacht.

Unglücke haben die gefährlichen Blindgänger in Berlin bisher selten verursacht - die letzten ereigneten sich am 17.Juli 1983 im Buckower Hasenhegerweg und im September 1994 an der Pettenkoferstraße in Friedrichshain.In Buckow riß ein seit Jahren unter einer Straße ruhender Blindgänger einen riesigen Krater in den Asphalt und erzeugte einen 20 Meter hohen Staubpilz.Zu Schaden kam damals niemand.In Friedrichshain trafen Bauarbeiter beim Rammen einer Spundwand den Zünder einer Fünf-Zentner-Bombe.Nachbarhäuser wurden stark geschädigt, die Explosionsstelle sah aus wie nach einem Erdbeben.Drei Menschen starben, 14 wurden teils schwer verletzt.

Meistens werden die Bomben beim Ausheben von Gruben gefunden, in der Regel handelt es sich um Fünf-Zentner-Munition.Bomben mit einem Gewicht von zehn Zentnern sind selten. cs

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