Berlin : Zehntausende träumten vom Fliegen

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Von Rainer W. During

Riesenansturm auf die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA 2002): Schon eine halbe Stunde vor der Eröffnung drängten sich gestern die Besucher vor den Eingängen im Süden des Flughafens Schönefeld. Erstmals durften am Donnerstag nicht nur Fachleute, sondern alle Flugbegeisterten aufs Messegelände – und prompt stauten sich ihre Autos zeitweilig zurück bis zum Adlergestell.Auch in den Sonderbussen- und Zügen war es eng. 50 000 Menschen nutzten nach Angaben der Veranstalter den Feiertag, um die fliegenden Stars aus Zivil- und Militärluftfahrt zu bestaunen.

Gedränge herrscht an der „Flight-Line“ dicht bei der Startbahn, und überall dort, wo man Flugzeuge anfassen oder sogar betreten kann. Geduldig wird in der Schlange gestanden, um einmal in das Maul des fliegenden „Walfisches“, des Riesentransporters „Beluga“ zu treten oder einen Blick ins Cockpit des neuen Eurofighters der Bundeswehr zu werfen. „Alle wollen mich fotografieren“, stöhnt Audrey Taylor und langsam gefriert ihr Lächeln. Die 28-Jährige trägt eine Fliegerkombi und posierte vor ihrem F-16-Kampfjet, an dessen Steuerknüppel sie beim „Tripple-Nickel-Squadron“ im italienischen Aviano ihren Dienst versieht. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der US- Streitkräfte ist sie als eine der insgesamt zwölf weiblichen Kampfpiloten der Air Force - auf der ILA zu Gast und ein beliebtes Fotoobjekt.

Gleich nebenan parkt mit der Boeing C-17 ein Gigant der Lüfte. Es ist die Maschine, die der damalige US-Präsident Clinton während der Luftbrücken-Gedenkfeiern auf den n „Spirit of Berlin“ taufte und die regelmäßiger ILA-Gast ist. Eine große Lücke im Freigelände hat dagegen der Airbus A310MRT der Luftwaffe hinterlassen. Der weltweit einzige Großraumjet, der als fliegendes Krankenhaus mit sechs Intensivbetten und 38 Tragenplätzen ausgestattet ist, wurde kurzfristig zur Evakuierung von Opfern eines Bombenanschlags in Pakistan abkommandiert.

Dröhnender Düsenlärm, der hier niemanden stört, lässt die Blicke der Massen gen Himmel wandern. Ein russischer Strahltrainer eröffnet das Flugprogramm. Auch wenn die Russen diesmal viele ihrer Jets zu Hause gelassen haben, weil eine Schweizer Firma mit deren Pfändung zur Eintreibung von Forderungen gegenüber der Moskauer Regierung gedroht hat, sorgen sie wieder für manches Highlight. Auch der kleinste und der größte Airbus können in Schönefeld im Flug bestaunt werden oder Nachbauten von Oldtimern wie die Etrich Taube und der Albatros.

Wer selbst in die Luft gehen will, kann im Dakota-Rosinenbomber und Kleinflugzeugen starten, darunter eine mit Schwimmern ausgestattete Cessna, die auf einem nahen See zur Zwischenlandung wassert.

Offene Tore in den Hallen der Lufthansa-Technik, wo eine Boeing durchgecheckt wird. „Ich möchte so einen Pilotenhelm haben“, bettelt ein Junge „Davon bist du aber noch weit entfernt“, ruft sein Vater und zerrt ihn weiter. Obwohl die Chancen zum Aufstieg gar nicht schlecht sind. Zahlreiche Firmen, Bundeswehr und Bundesgrenzschutz informieren auf der ILA über Luftfahrt-Berufe .

Die ILA ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 15 Euro (ermäßigt 8 Euro, Kinder bis 5 Jahre sind frei).

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