Zehnte Pogida-Demonstration : In Potsdam droht Verkehrschaos

Am Donnerstag will Pogida mittlerweile zum zehnten Mal am Hauptbahnhof in Potsdam demonstrieren. Der Verkehr wird erheblich beeinträchtigt.

Stefan Engelbrecht, Marco Zschieck
Bewegtes Potsdam.
Bewegtes Potsdam.Foto: dpa

Zum mittlerweile zehnten Mal will die islamfeindliche Pogida am Donnerstagabend in Potsdam demonstrieren. Die Kundgebung ist am Hauptbahnhof geplant, daher ist mit erheblichen Beeinträchtigungen des Verkehrs zu rechnen. Weil die Anhänger des Pegida-Ablegers über die Lange Brücke bis zum Landtagsschloss laufen wollen, wird der Übergang über die Havel voraussichtlich ab 17 Uhr gesperrt – zunächst für den Autoverkehr, dann auch für Busse, Straßenbahnen und Fußgänger. Wie auch bei den beiden vorangegangenen Demos am Hauptbahnhof können Fußgänger die Brücke nicht überqueren, sobald sich die Pogida-Demo in Bewegung setzt, teilte die Polizei mit. Der Hauptbahnhof wäre für Stunden nicht mehr von der Innenstadt aus erreichbar.

Auch die Zufahrtsstraßen zum Hauptbahnhof sind betroffen. Laut Polizei werden die Breite Straße und das Leipziger Dreieck in Richtung Lange Brücke sowie die Babelsberger Straße und die Friedrich-List-Straße gesperrt. Autofahrer sollten die Innenstadt daher weiträumig umfahren.

Die Bus- und Tramlinien des Verkehrsbetriebes ViP werden nördlich der Havel von 17 Uhr bis etwa 22 Uhr am Platz der Einheit enden. „Das Tramnetz wird in ein Nord- und in ein Südnetz geteilt“, sagte ViP-Sprecher Stefan Klotz sagte. Im Norden sind das die Tramlinien 91, 92, 93 und 96. Im Süden enden die Linien am Bahnsteig 2 des Hauptbahnhofes.

Massiver Polizeieinsatz geplant

Falls es zu Beeinträchtigungen am Leipziger Dreieck komme, könnten Fahrgäste die Buslinien 601 und 690 bis zur Haltestelle Johannes-Kepler-Platz im Stadtteil Am Stern nutzen und dann in die Tram umsteigen. Die Buslinien 638 und 695 sowie die Regionalbusse verkehren demnach zwischen Platz der Einheit und Hauptbahnhof über die Humboldtbrücke. Es könne aber zu längeren Fahrzeiten kommen, so Klotz.

Damit nicht genug, durch die unterbrochene S-Bahn wird die Verkehrslage zusätzlich kompliziert. Bei den vergangenen Pogida-Märschen am Hauptbahnhof wichen viele Pendler auf den S-Bahnhof Babelsberg aus, um nach Berlin zu kommen. Doch die Linie nach Wannsee ist wegen der Bauarbeiten unterbrochen, der S-Bahnhof Babelsberg gesperrt.

Ein Grund für die Sperrungen am Hauptbahnhof ist der geplante massive Polizeieinsatz rund um die gegen 18.30 Uhr beginnende Pogida-Demo und die Gegenveranstaltungen – trotz der geringen Teilnehmerzahl bei Pogida. Zuletzt konnten die Organisatoren um den mehrfach vorbestraften Christian Müller noch rund 50 Anhänger zusammenbringen. Der Polizei-Einsatzleiter Michael Scharf hatte zuvor die Sperrung der Brücke als „alternativlos“ bezeichnet.

Hunderte Pendler zwischen Berlin und Potsdam betroffen

Unter anderem rief das parteiübergreifende Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ zu einer Kundgebung an der Breiten Straße/Ecke Schloßstraße auf. Der Bundestagsabgeordnete Norbert Müller (Linke), der ebenfalls eine Gegenkundgebung anmeldete, kritisierte die von der Polizei angeordnete räumliche Trennung. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Gegendemos außer Sicht- und Hörweite von Pogida stattfinden müssten, sagte er.

Von den Demos betroffen sind auch Hunderte Pendler zwischen Berlin und Potsdam. Neben Firmenbeschäftigten sind zahlreiche Mitarbeiter aus den Wissenschaftseinrichtungen der Innenstadt sowie die Studierenden der FH Potsdam vom Bahnhof abgeschnitten.

Auf Beeinträchtigungen müssen sich auch die Mittelmärker einstellen. Die Beelitzer Busgesellschaft rechnet laut Sprecherin Ulrike Rehberg mit Verspätungen und längeren Fahrzeiten auf allen Linien. Besonders betroffen sind die Linien 631 nach Werder (Havel) und 610 nach Wildpark-West: Sie enden und beginnen ab 16.30 Uhr am Platz der Einheit/West. Das gilt auch für die Linie 580 über Werder nach Bad Belzig. (mit eb/kix)

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