Berlin : Zeichen des Verzichts

Bei der Synode der Evangelischen Landeskirche steht ein hartes Sparprogramm zur Diskussion

Gunda Bartels

Die Finanzprobleme der Landeskirche stehen im Mittelpunkt der zweitägigen Frühjahrssynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, zu der am heutigen Freitag 193 Kirchenparlamentarier in Berlin zusammentreffen. Sie stellen dabei die Weichen für 8600 als Pfarrer, Kantor oder Kindergärtner arbeitende Angestellte der evangelischen Landeskirche.

Insgesamt sollen im laufenden, 262 Millionen Euro umfassenden Kirchenhaushalt 10,3 Millionen Euro eingespart werden. Nach der Einsparwelle 1997, die vor allem die Verwaltung getroffen hat, bedeutet das für die Landeskirche weitere harte Schnitte. „Wir können uns auf allen Ebenen nicht mehr so viel Hauptamtlichkeit leisten“, sagt Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann. Er muss die Sparbeschlüsse als Verwaltungschef umsetzen. Das Defizit von 3,6 Millionen Euro, die das Land Berlin der Kirche 2002 als Zuschüsse zum Religionsunterricht an den Schulen gestrichen hat, soll noch nach der Rasenmähermethode auf alle Bereiche verteilt werden.

Für den weit größeren Teil der Einsparungen wollen Seelemann und die Kirchenleitung prüfen, in welchen Bereichen Kirchengemeinden, Kreise und Landeskirche parallel arbeiten und Bildungswerk, Frauen- und Jugendarbeit in einem Amt für kirchliche Dienste zusammenlegen.

Die Kirchensteuereinnahmen der Landeskirche betrugen im vergangenen Jahr 135 Millionen Euro, 1994 waren es noch 216 Millionen Euro. Grund für den Rückgang sind nicht die Austritte, sondern die Arbeitslosigkeit, das hohe Durchschnittsalter der 1,3 Millionen Mitglieder und die schwindende Bevölkerung in Brandenburg und der Oberlausitz.

Zur Lösung der Finanzprobleme wollen die Kirchenleitung und sechs brandenburgische Kirchenkreise, darunter Barnim und der größte Kreis Cottbus, die Tarifverträge ihrer Angestellten zum Januar 2006 kündigen und die Gehälter einfrieren. In den zur Beratung anstehenden Anträgen fordern sie, dass die Kirche „Zeichen verantwortlichen Verzichtens und gerechten Teilens setzen muss“. Die Kirchenleitung erwartet, dass ihre Vorschläge glatt durchgehen, doch evangelische Kirchenparlamentarier sind eine unberechenbare Truppe und haben in der Vergangenheit oft Beschlüsse gekippt.

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