Berlin : Zeichen setzen für Berlin

Grafiker und Illustratoren aus aller Welt zeigen in der Kulturbrauerei, wie sich eine Stadt auf einprägsame Formen reduzieren lässt

Faruk Hosseini

1951 gründeten fünf Grafikdesigner in der Schweiz die Alliance Graphique International. Daraus ist ein globales Netzwerk von Grafikern, Illustratoren und Typografen geworden. Jetzt lädt das AGI-Kollektiv zur großen Werkschau. Zum ersten Mal in der fünfzigjährigen Geschichte des AGI findet das Spektakel mit vier Ausstellungen in Berlin statt: „Imagine – 5.5 decades of graphic design“ ist eine Retrospektive der vergangenen fünf Jahrzehnte. Fünf Mitglieder des AGI nehmen jeweils ein Jahrzehnt ins Visier. Im Kulturforum am Potsdamer Platz werden rund 200 Exponate ausgestellt. Drei Nebenausstellungen rund um die Kulturbrauerei ergänzen das Programm: „Mayfiles – junge Illustratoren in Deutschland“ zeigt die neuesten Ideen ausgewählter Studenten und Studentinnen deutscher Kunsthochschulen und Akademien.

Die „Open Studios“ sind rund um die Kulturbrauerei in zwölf Galerien verteilt. Hier zeigen die deutschen AGI-Mitglieder ihre Arbeiten in den „inszenierten“ Werkstätten. „Berlin steht für Grenzüberschreitungen“, erklärt Fons Hickmann, der ebenfalls eine Galerie gestaltet hat. „Es ist die extremste, antiautoritäre Metropole“, sagt er und verweist auf die reflektierte Szene der Hauptstadt, die sich immer wieder neu erfindet. Hickmann realisiert daneben die dritte Ausstellung „berlin – been by agi“ im Innenhof der Kulturbrauerei. In- und ausländische Künstler werfen einen Blick auf Berlin und dokumentieren dies mit großen Plakaten. Alles, was einem zu Berlin einfallen kann, wurde hier mit verschiedenen Stilmitteln umgesetzt. Sonnoli Leonardo aus Italien hat ein Plakat mit Regenschirmen entworfen. „Ich bin oft hier und jedes Mal regnet es“, erklärt Leonardo. Für ihn hat Berlin etwas Melancholisches. Zwar gebe es mehr Cafés als in Italien, und die Menschen seien auch sehr freundlich, aber wenn er an Berlin denke, überkomme ihn die Melancholie, die sich für Leonardo aus der Geschichte und der Architektur zusammensetzt.

Die 105 Schwarzweiß-Werke sind – berlintypisch – als Plakate an Bauzäunen ausgestellt. „In Berlin ist alles rauer“, sagt Hickmann. Der ironische Umgang mit sich selbst und der Kunst steht im Mittelpunkt dieser Ausstellung. Teilweise waren die Künstler noch nie in Berlin. Umso spannender ist ihre Vorstellung, ihr Blick auf die Stadt.

Die Ausstellungen in der Kulturbrauerei dauern bis zum 25. September, die Hauptveranstaltung „Imagine“ ist bis zum 16. Oktober im Kulturforum zu sehen.

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