Berlin : Zeit zum Luft holen

Wie der Name, so die Musik: Der Band „Klez.e“ ist ein ungewöhnliches Album gelungen. Im Radio sind die fünf Berliner bisher kaum zu hören – dafür nächste Woche in der Kulturbrauerei

Johanna Lühr

Tobias Siebert ist so ein Typ, bei dem man nicht weiß, ob man ihn siezen oder duzen soll und dann Letzteres tut. Ein Mann oder Junge oder junger Mann, freundlich und leise und manchmal verlegen. Ein bisschen müde sieht er aus, wie er in seinem Gartenstuhl sitzt vor dem Café am Arkonaplatz. Eine Haarsträhne hängt ihm ins blasse Gesicht. Denkt man gar nicht, dass dieser Kerl gerade etwas Großes geleistet hat.

Tobias Siebert, 29, ist Sänger der Band Klez.e. Musik machen die fünf Berliner schon ewig, nur hat das bisher keiner bemerkt. Jetzt ist alles anders: Seit Freitag ist ihre neue CD „Flimmern“ draußen. Und die Musikpresse jubelt. Plötzlich sind Klez.e die junge, deutsche, aufstrebende Nachwuchsband der Stunde.

Ihren Namen spricht man „Kliessie“ aus. So hieß ein Virus, der einst den Computer des Sängers befiel. Zuerst habe ihm nur das Wort gefallen, die Schreibweise mit dem Punkt dazwischen, aber irgendwie passe es auch zu ihnen: Störung der Kommunikation. Sie tun das auf sehr sanfte Weise.

Leben könnten sie noch nicht davon, sagt Tobias und schüttelt dreimal den Kopf. Offensichtlich eine absurde Frage. Alle aus der Band arbeiten, der eine als Lichtinstallateur, der andere in einer Plattenfirma, der Dritte studiert. Tobias produziert. Eigentlich ist er gelernter Drucker, so wie sein Vater und Großvater. Bis er vor ein paar Jahren den Job an den Nagel hängte und sein eigenes Tonstudio aufbaute. Ein bisschen gezögert habe er natürlich, etwas Neues anzufangen, „weil doch eigentlich alles in Sack und Tüten war“. Aber es sei eben ein ganz starker Traum gewesen. Also habe er es gemacht. Klingt verdammt einfach, wie er das so sagt.

Genauso klingen seine Texte. Einfach und dabei so offen, dass man all seine Wünsche getrost hineinlegen kann. Er würde manchmal selber erst später verstehen, was er damit meint. Und dann denken: ah, darum geht’s, wow! Dass die Texte deutsch sind, gefällt nicht jedem. Wieso sie bei dieser Deutschpop-Sache mitziehen, nur weil das gerade „in“ sei, mäkeln manche. Seltsamer Vorwurf, findet Tobias. Es sei schon schwer genug, in einer Sprache zu schreiben, die man beherrscht. Geschweige denn die Musik dazu zu machen.

Für die neue Platte haben sie jeden Gegenstand im Studio umgedreht. Sie hauten Teller und Bleche zusammen, ließen Weingläser klirren und schlugen mit dem Drumstick auf das Sofa ein. Ein bisschen Herumspinnen, immer wieder Ausprobieren. Irgendwann sei dann der Song da. Und der Erfolg. Das geht zwar nicht in Castingshow-Geschwindigkeit. Aber ihre Fans kreischen auch nicht, sagt Siebert, sondern schreiben „Danke für die Musik!“ ins Gästebuch ihrer Internetseite. Siebert wünscht sich, dass im Radio auch mal etwas gespielt wird, das nicht so leichtfüßig daherkomme. Ein frommer Wunsch, die Dudel-Sender ignorieren „Flimmern“ bisher. Zum Glück gibt es CD-Spieler.

Klez.e treten am 31. August im Frannz Club in der Kulturbrauerei auf. Tickets kosten sieben Euro an der Abendkasse.

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