Zeitung im Salon : Leser im Gerichtssaal, Krimis aus Berlin

Täter findet sie stinklangweilig - sie konzentriert sich auf die Opfer: Pieke Biermann, Schriftstellerin und Tagesspiegel-Autorin, las aus ihrem Buch "Der Asphalt unter Berlin. Kriminalreportagen aus der Metropole".

Daniela Martens
Biermann
Ausgesagt. Pieke Biermann und Helmut Schümann im Schwurgerichtssaal des Kriminalgerichts Moabit. -Foto: Elke A. Jung-Wolff

Gleich wird es um einen Raubüberfall gehen. Hier, hinter Panzerglas, im berühmten Schwurgerichtssaal 700 des Kriminalgerichts in Moabit. Auf der Zeugenbank unter dem runden Leuchter, der größer ist als jedes Wagenrad, sitzt Pieke Biermann. „Der Typ ist jung, hell gekleidet, hat ein Tuch vor dem Mund und eine Pistole in der Hand“, sagt sie. Der Satz klingt wie eine Zeugenaussage, aber Pieke Biermann, Schriftstellerin und Tagesspiegel-Autorin, liest aus ihrem Buch: „Der Asphalt unter Berlin. Kriminalreportagen aus der Metropole“ (Pendragon-Verlag, 14,90 Euro und als Hörbuch) – eine Sammlung von Texten, die in den letzten Jahren im Tagesspiegel erschienen sind.

Salon mit Pieke Biermann
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1 von 7Alle Fotos: Elke A. Jung-Wolff
29.07.2009 08:29Mord ist ihr Beruf. -



Der Schwurgerichtssaal ist an diesem Abend zum Tagesspiegel-Salon umfunktioniert worden. Die Richterbank bleibt leer, ebenso die Plätze der Angeklagten hinter Glas. Auf allen anderen Stühlen und Bänken sitzen Leser und lauschen der Geschichte, in der es vor allem um das Opfer des Überfalls geht, eine Kassiererin. „Ich finde Täter stinklangweilig, ich weiß doch wie die ticken“, sagt Pieke Biermann später im Gespräch mit Tagesspiegel-Redakteur Helmut Schümann, der die Veranstaltung moderiert – und die Idee zu den Kriminalreportagen im Tagesspiegel hatte. Der Gedanke, sich auf die Opfer zu konzentrieren, stammt allerdings von ihr. Doch nicht alle Täter sind „langweilig“ – vor allem nicht jene, die in diesem imposanten Gerichtsaal verurteilt wurden: Der Hauptmann von Köpenick etwa, Erich Honecker und die Terroristen, die für die Anschläge auf die Diskothek La Belle und das Restaurant Mykonos verantwortlich waren. Das haben die Zuhörer vor der Lesung erfahren, von der Richterin und Gerichtssprecherin Iris Berger. 

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