Zeitung im Salon : Neues vom Pubertisten

Helmut Schümann las im Tagesspiegel-Salon aus seinem neuen Buch "Der Post-Pubertist". Mit trockenem Humor erzählt er in den Texten, wie der eigene Sohn zum Unbekannten wird - und wie die Helden der eigenen Jugend nur noch ein Schulterzucken auslösen.

Udo Badelt
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Auf der Bühne. Helmut Schümann und Sohn Julius (Mitte) lasen aus „Der Post-Pubertist“. Danach diskutierten sie mit Gerd Nowakowski...

Blickt man aus den Fenstern des Kabaretts Distel in der Friedrichstraße, sieht man zu beiden Seiten vor allem Baustellen. Das passt, denn auch das Thema, das diesmal im Tagesspiegel-Salon verhandelt wird, ist eine einzige Baustelle: Pubertierende Jugendliche gehören wohl zu den größten Herausforderungen, die das Leben für Eltern bereithält. Tagesspiegel-Autor Helmut Schümann hat bereits ein Buch über den Pubertisten geschrieben, wohlwissend, dass die Zeit nicht stehen bleibt. Im Oktober erschien deshalb der Nachfolgeband „Der Post-Pubertist“. Paul, sein Sohn, ist jetzt keine 14 mehr, aber deshalb noch lange nicht erwachsen. Jetzt sitzt also der reale Paul, er heißt Julius und ist inzwischen 21, mit seinem Vater auf dem Podium, und beide lesen die Geschichten, die von ihnen selber handeln.

Helmut Schümann erzählt in seinen Texten mit trockenem Humor davon, wie es ist, wenn einem der eigene Sohn zum Unbekannten wird, wenn Helden der eigenen Jugend wie die Rolling Stones nur noch ein Schulterzucken auslösen. Oder wie war das mit Sergio Leones Film „Spiel mir das Lied vom Tod“, in dem erst mal 20 Minuten fast gar nichts passiert und der gerade deshalb eine der großartigsten Eingangsszenen der Filmgeschichte besitzt? „Eine Szene“, sagt Schümann, „die von Gesichtern lebt, voller Kraft und dabei so elegisch.“ – „Geht ja voll ab, der Film“, antwortet Julius.

Meistens findet der Tagesspiegel-Salon im Löwenpalais in Grunewald statt, heute zur Abwechslung in der Distel. Es herrscht fröhliche Sonntagvormittag-Stimmung. Das Publikum kann häufig gar nicht warten, bis Schümann einen Satz zu Ende gelesen hat, bevor es mit dem Lachen anfängt. Der Raum ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt, die Leute kommen sich näher, das fördert die Kommunikation. Und da Julius es sich in den Kopf gesetzt hat, so kochen zu wollen wie Jamie Oliver, serviert das Team von „Eßkultur“ in der Pause ein Rezept des englischen Starkochs: Pasta mit Zucchini-Carbonara-Soße.

Nach der Pause sprechen Moderator Gerd Nowakowski, Leiter der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels, und seine Tochter Lara mit Helmut Schümann und dessen Sohn über die Fragen, die das neue Buch aufwirft. Sollten Eltern aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen eingreifen, wenn sie sehen, dass ihr Kind auf dem Holzweg ist? „Es kommt darauf an, wer was als Holzweg sieht“, sagt Julius zu seinem Vater. „Wenn ich deine Frisur anschaue und sehe, dass du auf dem Holzweg bist, dann sage ich dir das auch.“

Ob es ihm peinlich war, seine Lebensgeschichte in Buchform ausgebreitet zu sehen, will eine Besucherin wissen. Nicht wirklich, meint Julius, außerdem hatte er ein Vetorecht, und das sei durchaus auch zum Einsatz gekommen. Für Helmut Schümann galt dieses Privileg leider nicht: „Der Vater hätte durchaus auch ein Vetorecht gebraucht, um nicht allzu oft dazustehen wie ein Volltrottel.“ Am Ende aber herrscht Waffenstillstand. Julius, der morgen für ein Jahr nach Australien geht, hat kürzlich mit seinem Vater noch eine Partie Abschiedsbillard gespielt. Es ist unentschieden ausgegangen. Udo Badelt

Mehr Bilder vom Salon unter:

www.tagesspiegel.de/berlin

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