Berlin : Zeitungsprojekt "Klasse": "Die Gefahr eines Autounfalls ist größer"

Jennifer Honnef (15)[Kla],Anne Katrin Gronau (16)[Kla]

"Dann lasst uns mal anfangen!", ertönt die freundliche, aber energische Stimme des Lehrers. "Ihr habt doch bestimmt schon durch das Fernsehen oder durch die Presse etwas über BSE mitbekommen. Achtet Ihr jetzt sehr darauf, kein Rindfleisch mehr zu essen?"

Die sonst so unruhige Klasse 9F des Rheingau-Gymnasiums ist bei diesem Thema mucksmäuschen still. Alle beteiligen sich rege an der Diskussion. "Nein, ich esse noch Rindfleisch, denn meinem Fleischer kann ich vertrauen. Doch in Fast-Food-Restaurants würde ich keines mehr essen, denn ich wäre mir nicht sicher, was die Tiere, deren Fleisch ich esse, für Futter bekommen haben", antwortet Nina (14) aus Berlin, putzt ihre blaue Brille und setzt sie zurück auf die Nase. Auch Lisa antwortet: "Natürlich esse ich noch Rindfleisch, denn da ich es vorher schon gegessen habe, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich die Erreger schon in mir habe."

"Ich habe Angst vor dieser Krankheit, denn sie ist mit viel Ungewissheit verbunden. Deshalb esse ich weder Fastfood, noch das Rindfleisch aus dem Supermarkt", sagt jemand anderes. "Bei Schweinefleisch kannst du dir doch auch nicht sicher sein, denn es wurden schon in angeblich reinen Schweinefleischprodukten Rindfleisch nachgewiesen", wirft Christian, 15 Jahre alt, ein.

"Ich glaube, dass die Gefahr, in einen Autounfall verwickelt zu werden, wesentlich größer ist, als die Gefahr, durch BSE-Erreger krank zu werden", behauptet hingegen Janis (14).

Doch was kann man überhaupt noch essen? Denn auch Schafe, Fische, Geflügel und Schweine werden teils mit Tiermehl gefüttert. Wer weiß, ob durch sie nicht auch BSE übertragen wird?

"Ich halte Fleisch aus Argentinien und Neuseeland für relativ ungefährlich, da die Tiere dort auf der Weide leben und sich nicht von Tiermehl, sondern von Gras ernähren" - das ist die Meinung des 15-jährigen Kurt.

"Ding Dong", ertönt die Schulglocke - und nachdenklich verlassen die Schüler den Klassenraum.

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