Berlin : Zeitzeugen gesucht für ein Mauerbau-Buch

Der 50. Jahrestag des Mauerbaus wird bei vielen Berlinern ganz persönliche Erinnerungen wecken. So beispielsweise bei Jenny Schon aus Wilmersdorf, die kurz nach dem 13. August 1961 aus dem Bundesgebiet nach West-Berlin zog. Für sie soll es aber nicht beim bloßem Erinnern bleiben, der 50. Jahrestag war vielmehr Anstoß, ihre Erlebnisse in einem Buch festzuhalten. Daher sucht die 68-Jährige nach Menschen, die wie sie kurz nach dem Mauerbau nach Berlin gezogen und bis heute geblieben sind.

Als die damals 18-jährige Jenny Schon im Dezember 1961 aus Köln herkam, war der Schock über den Mauerbau noch frisch. Der Bundesjugendring hatte zuvor zur Solidarität mit West-Berlin aufgerufen, denn der Stadt fehlte es nach der Teilung an Arbeitern und Fachkräften. Doch lediglich rund 600 Freiwillige kamen nach dem ersten Aufruf nach Berlin, darunter Jenny Schon. Zwar habe auch sie Angst gehabt, aber jugendlicher Eifer und das Gefühl der Solidarität hätten sie nach Berlin gezogen, sagt sie heute. „Es war auch ein Stück weit Patriotismus, man wollte etwas für Deutschland tun.“

Ihr erster Eindruck war schlecht. Es stank nach Braunkohle, und die Stadt war vom Krieg noch stark gezeichnet. Die Berliner nahmen sie jedoch dankbar auf, zu tun gab es genug. Jenny Schon arbeitete zunächst bei einem Steuerberater, später in einer Buchhandlung. Zweifel an ihrer Entscheidung, nach Berlin zu ziehen, seien ihr nie gekommen: „Wir waren eine Schicksalsgemeinschaft.“ Die Stadt sei einzigartig, deshalb blieb sie bis heute.

Für ihr Buch sucht sie nun nach Schicksalsgenossen, die wie sie nach dem Mauerbau nach West-Berlin gezogen sind und möchte deren Erlebnisse verarbeiten. „Ich frage mich, wer ist denn noch da von früher, wer hat durchgehalten und kann von damals erzählen?“ ses

Zuschriften für Jenny Schon an Berlin@tagesspiegel.de oder per Brief an den Tagesspiegel (Stichwort „Mauerbau“)

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