Berlin : Zeltplatz Schwanenwerder öffnet diese Saison nicht mehr

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Nach dem schwersten Sommerorkan seit fast 50 Jahren gingen die Aufräumarbeiten am Freitag weiter. Auf dem Zeltplatz Schwanenwerder, wo zwei Jugendliche von umstürzenden Bäumen erschlagen wurden, liefen die Vorbereitungen für das Eintreffen der nächsten Gruppe. Die 90 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren, die ab Montag für zehn Tage hier Urlaub machen sollten, werden auf einem Ausweichgelände in Düppel untergebracht. Auf Schwanenwerder bauen Mitarbeiter derzeit die Zelte ab, räumen die Betten zusammen, um alles am neuen Standort wieder aufzubauen.

Absagen habe es nicht gegeben, sagte der Bildungsstadtrat von Steglitz-Zehlendorf, Erik Schrader, dem Tagesspiegel. Die gut zehn weiteren Gruppen, die in den kommenden Wochen ihre Ferien auf Schwanenwerder verbringen wollten, werden alle nach Düppel verlegt. Schrader erwartet nicht, dass der nach dem Unwetter geschlossene Platz Schwanenwerder in dieser Saison noch einmal geöffnet wird: „Die Schäden vor Ort sind massiv, ihre Beseitigung wird Wochen dauern.“ Ob das Areal überhaupt wieder für Feriengruppen geöffnet wird, muss noch entschieden werden. Die Immobilie gehört dem Bezirk, der schon seit Jahren den Gedanken hegt, das Gelände zu verkaufen und die Gruppen im Umland unterzubringen. Das habe aber nichts mit Sicherheitsfragen zu tun. Das Grünflächenamt hatte erst vor kurzem mit Sicht-, Rüttel- und Klopftests die Bäume untersucht und keine Gefährdungen festgestellt. Gegen solche Naturgewalten sei man auch mit bester Planung machtlos, meint Schrader. Das ist wohl auch der Grund, warum es weder in Schwanenwerder noch bei anderen Veranstaltern zu Absagen kam. Zwar hätten viele besorgte Eltern angerufen, sagt Antje Szukalsky, verantwortlich für die Aktion Ferienspaß bei der Berlin-Brandenburgischen Landjugend e.V., aber: „Eltern und Kinder haben das gut verkraftet. Die Kinder wollten alle dableiben.“ Sicher sei auch allen klar gewesen, dass es gegen solche Unwetter keine völlige Absicherung geben könne. Die Landjugend betreut derzeit 126 Kinder im Kinderland Prebelow, weitere neun sind auf einer Kanutour mit Zelten an der Müritz unterwegs. Weil der Funkkontakt abgebrochen war, hatte sich einer der Organisatoren am Mittwochabend ins Auto gesetzt und bei den Kanuten nach dem Rechten gesehen.

Die Deutsche Schreberjugend zeltet seit Jahren in Bayern. Seit dem Unwetter rufen die Berliner jeden Morgen dort an und erkundigen sich nach er Lage, um anrufende Eltern beruhigen zu können. Bildungsreferent Harald Orth sieht für die Kinder kaum ein Risiko: „Bei unseren Zeltlagern achten wir darauf, die Zelte so zu stellen, dass keine Bäume darauf fallen können.“ In Waldgegenden werde nur auf Lichtungen gezeltet, stets in der Nähe fester Häuser, in denen alle im Notfall alle untergebracht werden könnten. Die Plätze seien schon in den sechziger Jahren eigens so ausgesucht worden. „Ein Restrisiko bleibt“, sagt Orth. „Wenn eine Windhose mit 150 Stundenkilometern kommt, fehlen einfach Erfahrungswerte.“ Zur Zeit sind 80 Berliner Kinder und 25 Betreuer der Schreberjugend in Bayern. Fatina Keilani

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