Berlin : „Zensur erschüttert Izmir“

Wie türkische Blätter über die Absetzung von „Idomeneo“

Suzan Gülfirat

Die Diskussion um die Absetzung der Mozart-Oper in Berlin erreichte Ende der Woche auch die türkische Mittelmeerstadt Izmir. „Deutsche Zensur erschüttert Izmir“, titelte die links-liberale „Milliyet“ dramatisch am Freitag. „Die Absetzung des Mozart-Werkes Idomeneo in einer deutschen Oper hat auch das staatliche Opern- und Balletthaus in Izmir in Bedrängnis gebracht“, schrieb die Zeitung auf ihrer Titelseite. Der Hintergrund ist, dass der Leiter des Theaters, Alparslan Mater, das Stück am 13. Januar 2007 in seinem Haus aufführen will.

Mehr zum Thema fand sich dann auf Seite 13 unter der Überschrift: „Türkeipremiere gefährdet.“ Die Theaterleitung wolle (nach den Ereignissen in Berlin) nun überprüfen, ob und wie sie das Stück aufführen kann. Auch andere türkische Medien brachten die Nachricht der halbamtlichen Nachrichtenagentur „Anadolu Ajansi“, dass IZDOB (so lautet die Abkürzung des Opernhauses in Izmir) dieses Stück Mitte Januar nächsten Jahres aufführen wolle. Allerdings schrieb nur die „Milliyet“ noch dazu, dass die Theaterleitung ihre Absicht noch einmal überprüfen werde.

Aus dem „Milliyet“-Artikel geht hervor, dass das Stück schon einmal in dem Theater gezeigt wurde. Eine aktuelle Diskussion über dieses Mozartstück gibt es nicht. Wohl vorsorglich gab das Theater aber eine Pressemitteilung heraus, dass man „Idomeneo“ nicht in der Berliner Interpretation von Regisseur Hans Neuenfels bringen wolle, woraus sich folgern lässt, dass auf der Bühne nicht der Kopf des Propheten Mohammed abgetrennt wird.

Größer berichteten die Blätter über die Islamkonferenz, die am Mittwoch in Berlin stattgefunden hat. „Alle sind zufrieden“, schrieb die „Milliyet“ und meinte damit die türkischen Teilnehmer. Aber auch das Urteil der anderen Zeitungen war durchweg positiv. In vielen Artikeln tauchte der Begriffe „historisch“ auf. Die „Türkiye“ titelte am Donnerstag: „Schäuble: Der Islam ist ein Teil Europas.“ Die „Hürriyet“ zitierte den Innenminister mit den Worten: „Unser Ziel ist der ständige Dialog.“ Und die Teilnehmer gab „Hürriyet“ mit den Worten wieder: „Ein wichtiger Schritt im gegenseitigen Dialog.“ Unter anderem lobte Rechtsanwältin Serena Aste die Organisation der Zusammenkunft. „Jeder konnten seine Ansichten vortragen.“ Und auch die Sozialwissenschaftlerin Nepal Kekulé lobte, dass alle gehört wurden. „Ich habe mich gegen Religionsunterricht an Grundschulen ausgesprochen.“

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