Zensus : Volkszählung 2011: Hausbesitzer werden befragt

Am heutigen Donnerstag wird es ernst mit der Volkszählung in Berlin und Brandenburg. Denn ab heute werden hunderttausende Fragebogen verschickt – an jeden, der ein Haus oder eine Wohnung sein eigen nennt.

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Die Frau am Telefon ist schon bestens geschult und erteilt freundlich Auskunft: „Ja, Sie können es uns auch per Internet schicken. Ja, Sie sind gesetzlich verpflichtet, zu antworten. Nein, nichts davon wird an das Finanzamt weitergegeben …“

Am heutigen Donnerstag wird es ernst mit der Volkszählung in Berlin und Brandenburg. Denn ab heute werden hunderttausende Fragebogen verschickt – an jeden, der ein Haus oder eine Wohnung sein eigen nennt. Dabei ist das nur die Vorbefragung der Gebäude- und Wohnungszählung, die als Bestandteil der Volkszählung im Mai 2011 stattfindet.

Die wird von Statistikern und Politikern lieber „Zensus 2011“ genannt – angeblich, weil das internationaler ist und EU-weit stattfindet. Und weil nicht alle Bürger befragt werden, sondern nur etwa zehn Prozent. Das ist der Unterschied zur letzten Volkszählung 1987 in der Bundesrepublik, die sich wegen massiven Widerstands mehrfach verzögert hatte. Und zur letzten Volkszählung in der DDR 1981, bei der nur wenig Widerstand geleistet und noch weniger bekannt wurde.

Die Politik begründet die Notwendigkeit des Zensus 2011 damit, dass seit mehr als zehn Jahren verlässliche Daten zum Wohnungsbestand und zur Entwicklung der Einwohnerzahl fehlen. Der „statistische Blindflug“ könne zur Wohnungsnot in Großstädten oder einem teuren Überangebot an Immobilien führen. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen begrüßt die Befragung, sagt Sprecher David Eberhart: „Wir empfehlen allen, sich zu beteiligen.“

Vorerst sind das 660 000 Haus- und Wohnungseigentümer in Brandenburg und 170 000 in Berlin. „Der große Unterschied kommt dadurch zustande, dass es auf dem Land mehr Eigenheime gibt“, sagt Ulrike Rockmann, die Präsidentin des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg. Zum anderen seien die großen Berliner Wohnungsfirmen wie die Degewo zunächst außen vor. Sie müssen erst nächstes Jahr die Daten liefern, um nicht zweimal den riesigen Aufwand zu haben. „Wir verwalten 70 000 Wohnungen“, sagt ein Degewo-Sprecher: „Zum Glück geht alles elektronisch.“

Die jetzt angeschriebenen Haus- und Wohnungsbesitzer müssen zunächst auch nur die Frage beantworten, ob ihnen das Haus oder die Wohnung tatsächlich gehört. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern, beispielsweise Hessen, werden hierzulande alle angeschrieben. „Wir wollen nicht am 9. Mai 2011, wenn die eigentliche Volkszählung beginnt, eine böse Überraschung erleben und feststellen, dass die Eigentümer gewechselt haben“, sagt Ulrike Rockmann.

Erst im Mai werden dann auch die Fragen zu Größe und Ausstattung des Hauses, Anzahl der Mieter und so weiter gestellt. Zur Auskunft sind die Eigentümer verpflichtet, wer sich weigert, kann mit Zwangsgeld belegt werden. „Es gibt aber keinen Grund, die Angaben zu verweigern“, sagt Rockmann: „Die Daten werden nach Auswertung vernichtet. Und wir dürfen keine Information weitergeben – weder ans Finanzamt noch an die GEZ.“

Auskünfte in Berlin unter Tel. (030) 90 16 60 und in Brandenburg unter (0331) 70 39 98 90 oder im auf der Website

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