Berlin : Zentralabitur in der Kritik

Pädagogen bedauern Beschränkung des Unterrichts auf die Prüfungsthemen Einige Schüler sollen vorab Tipps von einem Lehrer bekommen haben

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Die ersten Erfahrungen mit dem Probeabitur haben bereits zu einigen Verbesserungsvorschlägen geführt. Zum Teil geht es nur um kleine Korrekturen am Verfahren. Es gibt aber auch Stimmen, die das Zentralabitur an sich infrage stellen.

Etliche Lehrer, die sich inzwischen zu Wort gemeldet haben, kritisieren die von der Bildungsverwaltung gestellten Aufgaben. So hätten etwa in Deutsch Aufgaben mit völlig unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zur Auswahl gestanden, was die Chancengleichheit der Schüler beeinträchtige, meinte der Deutsch-Fachbereichsleiter eines Gymnasiums.

Abgesehen davon sei es schlecht, dass die Lehrer die Umschläge mit den Aufgaben bereits einen Tag vor dem Klausurtermin öffnen dürften. Offenbar habe es mindestens einen Lehrer gegeben, der seinen Schülern Tipps zum konkreten Klausurthema gegeben habe – wohl aus Angst, sie seien nicht gut genug vorbereitet. Dieser Verdacht sei entstanden, weil Schüler sich per Telefon mit einer Nachbarschule über das konkrete Abiturthema ausgetauscht hätten, sagte der Fachbereichsleiter.

Eine generelle Kritik übt der Leiter des Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasiums, Ralf Treptow. Er beobachtet, dass das Zentralabitur zu einer zu starken Beschränkung des Unterrichts auf die angekündigten Abiturthemen führt. Im Bestreben, dass ihre Schüler und damit ihre Schule im Abitur gut abschneiden solle, verzichteten Lehrer selbst in den Leistungskursen, die Raum für Vielfalt geben sollten, auf zusätzliche Themen. Er schlägt vor, dass nicht mehr in den Leistungskursen, sondern im 3. Prüfungsfach eine zentrale Prüfung geschrieben werden soll. Das habe den Vorteil, dass für alle Fächer zentrale Abiturstandards gesetzt würden und nicht nur für Mathematik, Deutsch und die Fremdsprachen, da jedes Fach 3. Prüfungsfach sein könne.

Die Senatsverwaltung für Bildung will alle Verbesserungsvorschläge sammeln und auswerten. Mitte Oktober werden noch die Probeabiturarbeiten in Mathematik und den kleineren Fremdsprachen geschrieben. Wie in einem Teil der gestrigen Ausgabe berichtet, wurde jetzt eine Französischaufgabe zurückgezogen, weil der zu behandelnde Text und die Aufgaben zufällig in einer Textsammlung entdeckt wurde, die von Lehrern im Unterricht „benutzt worden sein könnte“. sve

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