Zeremoniell der Griechen in Berlin : Mit allen Wassern geweiht

07.01.2013 15:57 Uhrvon
Hol aus. Der griechisch-orthodoxe Bischof Bartholomäus von Ariranz wirft am Epiphanias-Tag ein mit Blumen geschmücktes Holzkreuz in die Spree. Und zwar dreimal hintereinander. Mit dieser Wasserweihe wird an Jesu Taufe erinnert. Foto: DAVIDS
Hol aus. Der griechisch-orthodoxe Bischof Bartholomäus von Ariranz wirft am Epiphanias-Tag ein mit Blumen geschmücktes Holzkreuz in die Spree. Und zwar dreimal hintereinander. Mit... - Foto: DAVIDS

Berlins Griechen feiern mit ihrem Bischof an der Spree ein religiöses Zeremoniell. Die Gemeinde wächst, weil immer mehr junge Menschen aus dem krisengeschüttelten Land zuwandern.

Berlin - „Segne, Gebieter!“ ruft Emanuel Sfiatkos. Der Pfarrer der Steglitzer griechisch-orthodoxen Christi-Himmelfahrts-Gemeinde und der Bischof Bartholomaios von Arianz stehen im Nieselregen am Schiffsanleger hinter dem Haus der Kulturen der Welt. Gut hundert Berliner Griechinnen und Griechen haben einen Halbkreis um die beiden Geistlichen gebildet. Der Steglitz-Zehlendorfer Bezirksbürgermeister Norbert Kopp ist gekommen, dazu Mitglieder des Abgeordnetenhauses. Am Epiphaniastag feiern sie den „Gottesdienst der großen Wasserweihe“ und erinnern damit an die Taufe Jesu im Jordan. 10 000 Mitglieder hat die griechisch-orthodoxe Kirche in Berlin, viele leben schon seit Jahrzehnten in der Stadt.

So wie der Sozialpädagoge Georgios Bakalios, der unter einem Regenschirm dem Gottesdienst folgt. „Uns Griechen in Berlin geht es eigentlich recht gut“, sagt Bakalios, der auch Vorsitzender des Griechisch-Deutschen Freundschaftsvereins ist. Die Gemeindeglieder seien gut integriert, für viele sei die Wahlheimat Deutschland längst zur wirklichen Heimat geworden. Vorne, am Ufer der Spree, küsst Bischof Bartholomaios indes das goldene Evangelium. Die Gemeinde hört die Geschichte von Jesu Taufe. Hinter ihm fährt langsam ein Ausflugsboot vorbei. Die wenigen Touristen an Bord machen Fotos. „Griechen werden es nicht sein“, sagt Dimitrios Periphanos. Der ausgebildete Archäologe arbeitet als Reiseleiter und Stadtführer. Er hat sich auf Berlintouren für Touristen aus Griechenland spezialisiert. „Vor drei Jahren hatte ich in der Zeit vom 24. Dezember bis zum 7. Januar 1600 Gäste“, sagt Periphanos. In diesem Jahr seien es „extrem wenige – alles in allem vielleicht 150“, erläutert er. Der Mittelstand, der sich eine Reise nach Berlin leisten konnte, kann das nicht mehr. Die Wirtschaftskrise sei schuld daran.

Pfarrer Emanuel Sfiatkos spricht inzwischen ein Gebet. „Für diese Stadt, für jede Stadt, jedes Land und die im Glauben darin Lebenden“, sagt Sfiatkos. Dreimal wirft Bischof Bartholomaios ein mit Blättern geschmücktes Kreuz ins Wasser, zieht es heraus, segnet die versammelte Gemeinde. In seiner Predigt erinnert er an den Neuanfang der Taufe und ruft zu einem Neuanfang im neuen Jahr auf. „Unser Patriarch hat uns in seinem Hirtenwort zu Weihnachten zu einem Jahr der Solidarität aufgerufen“, sagt der Bischof. Es gehe darum, die Liebe Gottes weiterzugeben. Wozu Berlins Griechen derzeit reichlich Gelegenheit haben, denn die Gemeinde wächst. „Es kommen junge, gut ausgebildete Menschen aus Griechenland, die in Deutschland einen Neuanfang wagen wollen“, sagt Sfiatkos hinterher. Ärzte, Architekten, Ingenieure. In der Kirchengemeinde suchten sie nach Kontakten, nach Hilfe für die ersten Tage in der neuen Wahlheimat. Und auch Georgios Bakalios, der in seinem Verein einmal pro Woche eine Sozialberatung anbietet, berichtet von den Zuzüglern. „Eigentlich bräuchten wir diese Menschen in Griechenland – aber in Berlin haben sie bessere Chancen“, sagt Bakalios. „Von denen, die Ende 2011 nach Berlin gekommen sind und seitdem die Sprache gelernt haben, haben die Ersten mittlerweile einen Job.“

Nach dem Gottesdienst findet ein kleiner Empfang im Haus der Kulturen der Welt statt. Es gibt Glühwein. Pfarrer Emmanuel Sfiatkos sucht nach den Neuankömmlingen. Zwei oder drei davon hat er beim Gottesdienst gesehen. Doch sie sind gegangen. Ganz angekommen in der neuen Heimat sind die Zuwanderer noch nicht. Benjamin Lassiwe

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