Berlin : Zerschnittenes OP-Tuch

Lesbische Liebe oder schlechtes Betriebsklima – Streit um Kündigungsgrund für Vivantes-Chefärztin.

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Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Der Streit um die fristlose Kündigung der Orthopädie-Chefärztin Karin Büttner-Janz entwickelt sich zur Schlammschlacht. Immer mehr Details aus internen Gesprächen und neue gegenseitige Vorwürfe werden bekannt. Und diese offenbaren ein tiefgehendes Zerwürfnis zwischen der bekannten Orthopädin und ehemaligen Spitzensportlerin und ihrem Arbeitgeber, dem landeseigenen Klinikkonzern Vivantes. Fakt ist: Büttner-Janz sollte die Leitung der Orthopädie am Krankenhaus im Friedrichshain abgeben. Auf die Frage nach dem Warum und Wie aber geben beide Seiten genau entgegengesetzte Antworten.

Zwei Dokumente machen diesen Konflikt deutlich: Zum einen existiert eine E-Mail von Büttner-Janz an den Aufsichtsrat des Klinikkonzerns. Zum anderen gibt es ein Schreiben der Geschäftsführung an den Vivantes-Betriebsrat, in dem dieser um Zustimmung zur Kündigung der Chefärztin gebeten wird. Beide Dokumente liegen dem Tagesspiegel vor.

Die E-Mail hat Karin Büttner-Janz am 28. März um halb vier Uhr morgens an die Mitglieder des Aufsichtsrates gesendet. Darin schreibt sie, dass ihr am 13. März der Vivantes-Geschäftsführer Joachim Bovelet mitgeteilt habe, dass sie „ab sofort“ nicht mehr Chefärztin der Orthopädien in den Krankenhäusern im Friedrichshain und am Urban sei. Als Begründung habe ihr Bovelet ihre „persönliche Beziehung“ zu einer leitenden Mitarbeiterin vorgeworfen. Andere „persönliche oder fachliche Gründe“ seien ausgeschlossen worden, ebenso eine „Ursache im Klinikum im Friedrichshain“, heißt es in der E-Mail weiter. Büttner-Janz bittet die Mitglieder des Aufsichtsrates – zu denen auch der Gesundheitssenator Mario Czaja und der Finanzsenator Ulrich Nußbaum gehören – um Hilfe, weil sie sehr um ihre „Reputation als Chefärztin und Person des öffentlichen Lebens“ besorgt sei.

Die Vivantes-Chefetage stellt die Vorgänge und die mit Frau Büttner-Janz geführten Gespräche anders dar. In dem internen Schreiben an den Vivantes-Betriebsrat, in dem die Unternehmensleitung Ende März um Zustimmung zur Kündigung bittet, erhebt sie heftige Vorwürfe gegen die Chefärztin. Deren zuvor abgesetzte E-Mail sei geeignet, den „Ruf von Herrn Bovelet beim Aufsichtsrat zumindest nachhaltig zu schädigen, wenn nicht sogar zu ruinieren“. Zudem habe Büttner-Janz den Inhalt der Gespräche zwischen ihr und dem Vivantes-Geschäftsführer unwahr wiedergegeben. Denn dabei sei es sehr wohl um Ursachen und Probleme im Klinikum im Friedrichshain gegangen. Es lägen „zahlreiche Beschwerden von Chefärzten des Klinikums“ vor, weil Büttner-Janz durch ihr Verhalten das Betriebsklima geschädigt habe. Deshalb sei in insgesamt drei Gesprächsrunden mit der Orthopädin über ein Abfindungsangebot oder eine Versetzung in ein anderes Vivantes-Haus verhandelt worden. Spätestens Ende Juni hätte sie den Posten in Friedrichshain frei machen sollen.

Man sei bei diesen Verhandlungen auf gutem Wege gewesen, schreibt die Geschäftsführung – bis Karin Büttner-Janz jene E-Mail an den Aufsichtsrat sandte. Damit sei eine weitere Zusammenarbeit für die Unternehmensleitung unzumutbar.

Karin Büttner-Janz will derzeit nichts mehr zu dem Thema sagen. Am 8. Mai ist ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht angesetzt. Ihr Anwalt Simon Bergmann äußerte sich nicht zum Schreiben der Geschäftsführung an den Betriebsrat; der Inhalt sei ihm nicht bekannt. Auch der Betriebsrat von Vivantes lehnte eine Stellungnahme ab. Ingo Bach

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