Zeugen: Experten beschreiben Berliner Schätze : Lebensstationen eines Fürsten

In unserer Serie zur 775-Jahr-Feier Berlin: Kurfürst Joachim II. liebte die "Schöne Gießerin". Bilder von ihm hängen im Jagdschloss Grunewald.

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Foto: Thilo Rückeis
In voller Rüstung: Solvejg Kralik, stellvertretende Kastellanin im Jagdschloss Grunewald, vor dem Jugendbildnis des späteren...

„Bei solchen Fürstenbildern steckt hinter jedem Detail eine bestimmte Aussage“, sagt Solvejg Kralik, stellvertretende Kastellanin im Jagdschloss Grunewald. Hier zum Beispiel steht sie neben dem Porträt von Joachim, als der noch 15 Jahre alt und Prinz war, und dem seines ein Jahr älteren Vetters Johann von Anhalt aus Dessau. Dass Joachim, der spätere Kurfürst, im Rang höher steht, erkennt man schon an dessen prunkvollerer Rüstung mit Goldrand und aufwendigerem Schmuck am Kragen sowie feiner ziselierten Armstücken, aber auch an Kleinigkeiten wie der Feder an der Mütze. Auf die muss Vetter Johann (rechts) leider verzichten. Die beiden wurden gemeinsam erzogen in allem, was der fürstliche Nachwuchs damals so brauchte: Hofetikette, Jagen, ritterlicher Kampf. Und tatsächlich zog Joachim II. später in voller Rüstung in den Krieg, 1542, da war er schon Kurfürst und 37 Jahre alt. Sein Auftrag: Budapest von der Belagerung durch die Türken zu befreien – wofür ihm der Kaiser den Titel Oberster Feldhauptmann verlieh. Als Joachim II. freilich in Budapest eintraf, war ihm die Hälfte seines in den Dienst gezwungenen Heeres schon weggelaufen,außerdem kam er zu spät, die Belagerung war zu Ende. Jedenfalls verlor er den Titel rasch wieder, und in den Krieg musste er auch nicht mehr. Die beiden Bilder oben stammen von Lukas Cranach dem Älteren, der damals eine erfolgreiche Malerwerkstatt in Wittenberg unterhielt. Später übernahm sein Sohn Lukas Cranach der Jüngere die Werkstatt, und der malte Joachim II. noch einmal, ein Jahr vor dessen Tod, als 65-Jährigen. Auch dieses Bild (links) hängt im Jagdschloss Grunewald, im Rahmen der dortigen Lucas-Cranach-Dauerausstellung. Und auch hier nennt die 41-jährige Solvejg Kralik Details, die einen politischen Hintergrund haben. Bei der Pelzmütze, die Joachim hier trägt, handelt es sich nämlich um ein polnisches Stück, mit dem er wohl seine Verbundenheit mit dem polnischen König Sigismund II. August, seinem Schwager, unterstreichen wollte. Tatsächlich überließ Sigismund dem Kurfürsten das Herzogtum Preußen als erbliches Lehen. Das Bild zeigt Joachim II. als typischen Renaissancefürsten mit Sinn für Prunk und Protz, gekleidet nach der neuesten Mode und in teurem Pelz, die Finger mit mehreren Ringen geschmückt. Joachims Sohn Johann Georg hatte damit dann nicht mehr viel im Sinn, er wird sich als Lutheraner und Calvinist sehr viel nüchterner porträtieren lassen. Dieses Bild hängt ebenfalls im Jagdschloss. Solvejg Kralik ist als Musikwissenschaftlerin übrigens auch für die Veranstaltungen im Schloss verantwortlich, so am 4.November, wenn dort wieder zum Konzert geladen wird.

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