Berlin : Zeugenschutz: Rat und Hilfe für Opfer von Gewalttaten

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Opfer von Verbrechen leiden nicht nur unmittelbar und körperlich unter der Attacke des Täters. Bei jedem 20. Kriminalitätsopfer in Berlin hatte die Tat im vorigen Jahr auch indirekte Auswirkungen wie Arbeitslosigkeit, berufliche Veränderungen oder sogar Erwerbsunfähigkeit zur Folge. Rund 14 Prozent der Verbrechensopfer wechselten nach einer Statitistik der "Opferhilfe e. V" vorübergehend die Wohnung. Sieben Prozent verließen ihre gewohnten Räume schließlich für immer. Fast alle hatten mit starker psychischer Belastung zu tun. Um den Opfern das Leben und vor allem den Auftritt vor Gericht zu erleichtern, nehmen die Justizverwaltung und die Opferhilfe heute eine weitere hilfreiche Institution in Betrieb: Eine Zeugenbetreuungsstelle im Kriminalgericht Moabit.

In zwei Räumen stehen von Mittwoch an zwei Sozialarbeiterinnen für Informationen, zur Begleitung ins Gericht und in einer gewissen psychlogischen Schutzfunktion zur Verfügung: die Betreuungsstelle als geschützter Raum. Bisher konnte es Opfern von Gewalttätern passieren, dass sie im Gerichtsflur neben dem Täter und dessen Freunden sitzen mussten - mit allen belastenden Folgen bis hin zur Bedrohung.

Morgen wird der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen die Betreuungsstelle in Moabit übergeben. Sie steht allen Zeugen zur Verfügung, die Opfer von Gewaltdelikten geworden sind, darunter auch Raub, Sexualverbrechen und Einbrüchen. Finanziert wird das Ganze von der Justizverwaltung, betrieben aber von der Opferhilfe. Der Verein hat auch bisher schon Zeugen in Moabit begleitet und Opfer beraten - auch wenn diese keine Anzeige erstattet hatten.

Im vorigen Jahr ließen sich 569 Personen bei der Opferhilfe beraten, darunter 64 Prozent Frauen. Nur gut zwei Drittel von ihnen hatten überhaupt eine Anzeige erstattet. 16 Prozent aber wollten das auf keinen Fall. Sie hatten Angst vor dem Täter. Oder der Täter kam aus ihrem sozialen Umfeld, und sie wollten den Fall auf einem anderen Wege bereinigen. Andere schließlich fürchteten Unannehmlichkeiten mit Polizei und Gerichten.

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