Berlin : Zeughaus: Ein erster Rundgang über die Baustelle Unter den Linden

Jan-Arne Sohns

Blätternder Putz, Fußböden, die wie abgebrochene Brücken ins Leere laufen, überall Sandhügel: "Das Haus ist eine richtige Baustelle geworden", sagt Projektleiter Siegfried Hahn. Gestern wurde erstmals zur Besichtigung ins Zeughaus Unter den Linden geladen. Seit Mitte 1999 wird der Sitz des Deutschen Historischen Museums (DHM) umgebaut; die Arbeiten sollen rund 40 Millionen Mark kosten und im Frühjahr 2002 abgeschlossen sein, damit das Museum wenige Monate später in seinen angestammten Räumen und im benachbarten Schauhaus-Neubau des amerikanischen Architekten I. M. Pei eröffnet werden kann.

Im Zuge des Wiederaufbaus in den Jahren 1948 bis 1953 wurden vor allem im Westflügel viele Räume für die Verwaltung eingerichtet. Nach der historischen Rekonstruktion des barocken Gebäudes soll nun das gesamte Gebäude als Museum genutzt werden. Dafür wird alles auf den neuesten Stand gebracht. Das bedeutet: Die Einbauten der Verwaltungsräume mussten vollständig entfernt werden. Neuerungen wie eine Klimaanlage für die künftig rund 10 000 Quadratmeter Museums-Nutzfläche sind einzubauen, dürfen jedoch das historische Erscheinungsbild der Räume nicht beeinträchtigen. So soll zum Beispiel die Klimatisierung durch Geräte in den Fensternischen erfolgen, versteckt hinter der rekonstruierten historischen Wandverkleidung.

Doch so weit sind die Arbeiten noch lange nicht gediehen. Im Augenblick unterscheiden nur die größeren Ausmaße die Prachtsäle von renovierungsbedürftigen Mietskasernen in Prenzlauer Berg. Der Boden des Innenhofes ist zwar auch mit Schutt bedeckt, die Fassaden dort sind aber bereits vollständig wieder hergestellt und schimmern genauso hellrosa wie die Außenfassaden. Auch die berühmten Masken Andreas Schlüters sind fertig renoviert. Ende dieses Jahres soll damit begonnen werden, den Hof nach Peis Plänen mit einem Glasdach abzudecken. Im Inneren des Zeughauses sind deshalb bereits vier Säulen geöffnet, in welche Stahlträger eingesetzt werden, um das 60 bis 80 Tonnen schwere Dach zu tragen. Das Dach und ein vierzig Meter langer Tunnel stellen dann die Verbindung her zu Peis "Schauhaus", in dem ab 2002 die Wechselausstellungen des DHM stattfinden sollen. Das Dach erinnert an die Glasfassade des Neubaus. Der Tunnel führt direkt hinüber. Der Tunnelschacht gähnt tief in dem behelfsmäßig abgestützten Zeughaus-Nordflügel. Von den vorgesehenen Aufzügen und Fahrtreppen ist noch nichts zu sehen.

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