Berlin : Zieh, Schurke!

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Andreas Conrad über

die ideale Tageszeit für Duelle

Ehrenhändel erledigte man früher am hellen Tag, schon um bei Nachtblindheit eines Beteiligten Chancengleichheit zu wahren. Zwölf Uhr mittags war ideal, doch verabredeten sich Duellanten gern auch früher, wollten ja nicht unter Zeitdruck geraten. Nacheinander gegen drei Musketiere fechten wie D’Artagnan – das kann dauern. Noch Berlins Polizeipräsident von Hinckeldey hielt sich an diese Duellregel und traf sich mit dem Gegner am 10. März 1856 frühmorgens, um per Kutsche zur Jungfernheide zu rollen – seine letzte Fahrt ins Grüne. Schon an der Terminverschiebung ist also die Sittenverluderung abzulesen: Schießerei ehrenhalber, aber mitten in der Nacht! Prompt ein Unbeteiligter getroffen! Wäre Gary Cooper nie passiert. Das kann man nicht durchgehen lassen; genau betrachtet, zu keiner Tageszeit. Denn wer vermag heute noch zu antworten wie jener altgediente Journalist, dem eine Philippika gegen schlagende Verbindungen prompt eine Duellforderung einbrachte, immerhin mit der Freiheit, die Waffe zu wählen, die er am besten beherrsche. Die Antwort fiel dem Veteranen leicht: Granatwerfer. Das Duell wurde ihm daraufhin erlassen: Nicht satisfaktionsfähig.

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