Berlin : Zielgruppe: Fünfunddreißig minus

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DIE DEFINITION

Was ist ein Hostel? Selbst die Betreiber tun sich schwer mit einer exakten Definition. „Ein auf Bettenanzahl maximierter und Event orientierter touristischer Beherbungsbetrieb der unteren Preisklasse“, heißt es in einer Studie der Beratungsgesellschaft Dicon, die kürzlich in Berlin vorgestellt wurde. Ein typisches Merkmal ist das Prinzip, Betten statt Zimmer zu vermieten , das aber mit der Annäherung an die Budget-Hotels längst nicht überall konsequent durchgehalten wird.

Im Prinzip könnte man das Hostel als eine Art privatwirtschaftlich geführte Jugendherberge bezeichnen, doch das weisen die Betreiber weit von sich. Einerseits dürfen sie den markengeschützten Begriff nicht verwenden, andererseits legen sie großen Wert darauf, sich von den altväterlichen Prinzipien der Jugendherberge – Geschlechtertrennung, Alkoholverbot, definierte Ruhe- und Weckzeiten – durch hoteltypische Lockerheit abzuheben. Am meisten beklagen die Hostel-Betreiber die Wettbewerbsverzerrung durch die finanziellen Vorteile, die die Jugendherbergen als gemeinnützige Einrichtungen genießen.

Weitere typische Hostel-Merkmale: Sie liegen meist in verkehrsgünstigen Innenstadtlagen, weil sie dort Altimmobilien aus dem Bestand kostengünstig nutzen können, während Budget-Hotels in der Regel Neubauten sind.

DIE CHANCEN

Die Dicon-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich Hostel und Budget-Hotel aufeinanderzubewegen: Einerseits bauen die Hostels den Privatbereich mit Einzel- und Doppelzimmern aus, andererseits dringen die Billighotels zunehmend in Innenstadtlagen vor. Hostelspezialisten wie Nizar Rokbani sehen ihre Chance darin, ein klares Markenprofil zu entwickeln und „Hotelqualität zu Hostelpreisen“ zu bieten: „Die Entwicklung geht in Richtung Preisführerschaft.“ Die Dicon-Experten sagen es so: Die Hostels sollten „als Gegenstück der Fünfzig-plus-Konzepte ein international ausgerichtetes Fünfunddreißig-minus-Konzept abtrennen“, in das sie ihre Erfahrungen einbringen.Entscheidend für den Erfolg wird sein, dass die Hostels ihre Basisprinzipien, etwa die kommunikative Atmosphäre, mit einem auf die Gäste zugeschnittenen Veranstaltungsprogramm ergänzen. bm

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