Zielvorgabe : Finanzsenator Sarrazin verärgert Berlins Finanzbeamte

Weil sich die Bearbeitungszeiten für Steuererklärungen deutlich verlängert haben, fordert Finanzsenator Thilo Sarrazin, dass die Beamten der Finanzämter schneller arbeiten. Mitarbeiter klagen, dass ein neues Computersystem Probleme bereite. Doch Sarrazin ignoriert dies und gibt stattdessen strenge Ziele vor.

BerlinFinanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hat unter den Finanzbeamten für erheblichen Unmut gesorgt. Er und die Finanzamtsleiter erwarten, dass in den Finanzämtern schneller gearbeitet wird. Allerdings habe er den Mitarbeitern zu strenge Ziele vorgegeben. Dies kritisierte der Personalratsvorsitzende Klaus Wilzer in einem Interview in der "vau", der Zeitschrift für die Mitarbeiter der Gewerkschaft Ver.di.

Die Mitarbeiter hätten seit Monaten mit einem neuen Computerprogramm zu kämpfen und könnten deshalb die Steuererklärungen noch nicht schneller bearbeiten. Die Vorgaben des Finanzsenators beinhalten beispielsweise die Zahl der zu bearbeitenden Steuererklärungen. 8,3 Prozent sollen pro Monat erledigt werden.

Immer mehr Krankmeldungen

Ende vergangenen Jahres hatten die Ämter ihr neues System EOSS (evolutionär orientierte Steuersoftware) eingeführt, das die Bearbeitung von Steuerbescheiden vereinfachen sollte. Seitdem beklagen die Gewerkschafts- und Personalvertreter jedoch Probleme, weil die Benutzeroberflächen komplizierter seien. Im Durchschnitt benötigen die Mitarbeiter mit dem neuen System neun Tage länger für die Bearbeitung von Steuererklärungen.

Durch den Druck, der von Sarrazin ausgehe, melden sich immer mehr Beamte in den Finanzämter krank. "Immer mehr Kollegen brennen aus, und die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen steigen dramatisch", schreibt Gewerkschafter Klaus-Dieter Gössel in der Mitarbeiter-Zeitschrift. Nach Angaben der Finanzverwaltung meldeten sich 2007 insgesamt 1083 Mitarbeiter länger als sechs Wochen krank. (pb)

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