Berlin : Zimmer will es wissen

Der CDU-Fraktionschef kandidiert als Kreisvorsitzender. Doch seine Wahl ist keineswegs sicher

Werner van Bebber

Zwei bekannte CDU-Politiker wollen Zugewinn an Einfluss und Bedeutung. Sie treten deshalb an diesem Sonnabend an, um Kreischefs zu werden. „Bezirksfürsten“ nannte man früher diejenigen, die ein politisches Amt mit einem Parteiamt klug kombinierten. Auf Nicolas Zimmer und Günter Nooke passt das Wort nicht mehr. Aber beide haben in der Partei offenbar etwas nachzuholen. Zimmer ist immerhin Fraktionschef und will, indem er sich um den Kreisvorsitz von Tempelhof-Schöneberg bewirbt, sein innerparteiliches Kampfgewicht erhöhen. Auch der Bundestagsabgeordnete Günter Nooke hat nicht viel von einem Bezirkspolitiker. Aber er kommt – auch für seinen eigenen Geschmack – in der Berliner Partei zu wenig vor. Mit Blick auf die Bundestagswahl will er Nooke Chef im stärksten Ost-Bezirk, in Pankow werden.

Beide können gewinnen, doch weder in Tempelhof-Schöneberg noch in Pankow halten die Parteitagsdelegierten die Wahlen für gelaufen. In Pankow dürfte der Wahlgang an diesem Sonnanbend verschoben werden: Kreischef René Stadtkewitz musste am Freitag mit Symptomen eines leichten Schlaganfalls ins Krankenhaus, wie es in Parteikreisen hieß. Die Delegierten werden sich an diesem Sonnabend wohl vertagen und die Vorstandswahlen um zwei Wochen verschieben. Viel mehr Zeit bleibt allerdings nicht – Fristen sind mit Blick auf den Landesparteitag im Mai einzuhalten.

Wer in Pankow die größeren Chancen hat, ist derzeit kaum zu sagen. Nooke und René Stadtkewitz haben, jeder für sich, einen guten Stand in der Partei. Nooke hat in einem Brief an seine Parteifreunde für sich mit seinen Bundestagserfahrungen und als Kulturpolitiker geworben. Sein wuchtiges, selbstbewusstes Auftreten gefällt vielen, denen Stadtkewitz als Kreischef zu unauffällig ist. Doch der Pankower Ehrenvorsitzende Peter Luther, früher mal Gesundheitssenator, hat gerade mit Nookes Wucht ein Problem. Luther lobt die „Integrationsfigur“ René Stadtkewitz und erinnert Nooke an die Bedeutung von „Teamarbeit“.

Heikler als Nookes Kampfkandidatur ist Zimmers Bemühen um den Kreisvorsitz. Tempelhof-Schöneberg ist mit 1356 Mitgliedern die Nummer 4 auf der Rangliste der Kreisverbände und liegt ganz knapp hinter Reinickendorf, wo Frank Steffel regiert. Beide Kreisverbände werden zum Landesparteitag im Mai 31 Delegierte entsenden.

Das ist die dröge, arithmetische Seite der Macht. Für Zimmer geht es aber um viel mehr – um einen Imagegewinn größeren Stils, den er allerdings auch gut brauchen kann. Dieter Hapel, Kreischef seit zwölf Jahren, fünfmal im Amt bestätigt, Bildungsstadtrat und eine der festen Größen in der Berliner CDU, könnte achselzuckend sagen, es werde Zeit, dass mal jemand anderer die Geschäfte führt. Aber Hapel steht Steffel wohl näher als Zimmer.

Also geht es für den Fraktionschef auch darum, die eigene Parteibasis zu gewinnen und seine Position dort zu stärken, wo er wieder aufgestellt werden will, wenn es um ein Mandat im Abgeordnetenhaus geht. Schließlich wird er auch Bemerkungen wie die vom „König ohne Reich“ oder vom Chef ohne Kreisvorsitz nicht mehr hören wollen. Erst recht nicht, wenn sein Stellvertreter im Abgeordnetenhaus, Michael Braun, zum ersten Mann von Steglitz-Zehlendorf werden sollte. Da geht es dann, wie auch im Umgang mit Steffel oder Ingo Schmitt, dem Kreischef von Charlottenburg-Wilmersdorf, um gleiche Augenhöhe.

Andererseits übersieht in der Tempelhof-Schöneberger CDU wohl keiner das Risiko, das Zimmer läuft, wenn er gegen Hapel verliert. Zimmer will dann als Stellvertreter kandidieren – wie Hapel die Chance haben soll, Vize zu werden, wenn Zimmer ihn schlägt. Wenn Zimmer aber verliert, so sagt es einer, dessen Urteil Gewicht hat, „ist er platt“.

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