Berlin : Zimmer zur WM: Die Welt zu Gast auf dem Schlafsofa

Vermittlungsbörsen im Internet bringen Fans und Anbieter von Privaträumen zusammen

Ariane Bemmer,Wassily Geist

Auf der Homepage steht es deutlich in orangefarbenen Buchstaben: Für die Ferienwohnung in der Invalidenstraßen gelten vom 9. Juni bis 9. Juli 2006 „Saison-Sonderpreise“ – und das bedeutet einen Preisaufschlag von 30 Prozent. In diesen vier Wochen im kommenden Sommer ist nämlich Fußball-WM, und es wird mit fünf Millionen zusätzlichen Übernachtungen im Land gerechnet. Damit die erhofften und erwarteten Besucher auch ausreichend bezahlbare Schlafgelegenheiten finden, gibt es inzwischen Zimmerbörsen im Internet.

Die wohl größte hat das Wohnungsportal Immoscout.24 gestern vorgestellt. Unter www.wm-zimmer-2006.de können Fußball-Fans sich in den zwölf Austragungsstädten Zimmer oder Wohnungen angucken und mieten, die dort zu eher günstigen Preisen inseriert sind. Bisher habe man 3000 Angebote im Netz, sagte Immoscout-Chef Arndt Kwiatkowski. Man wolle mindestens 1000 Angebote pro Stadt haben, damit die Suchenden eine gute Auswahl haben.

Für die Zimmerbörse von Immoscout werben auch Berlins Fußballbotschafter Michael Preetz und Torschützenkönig Stefan Kuntz, der für den Raum Kaiserslautern seine Mutter als Vermieterin avisierte, die in seinem alten Kinderzimmer WM-Fans einquartieren soll. Preetz lobte die Zimmerbörse als Plattform gegen „Abzocke“, als Möglichkeit, nette Kontakte zu WM-Fans zu knüpfen und so auch das Bild der Deutschen im Ausland zu verbessern. Allerdings sei klar, dass mancher durch die Zimmervermietung „nur“ Geld verdienen wolle.

Auch andere Zimmerbörsengründer beschwören vor allem den freundschaftlichen Geist des Vermietens. Fußball- Freunde (Inland) laden Fußball-Freunde (Ausland) zu sich ein, gemeinsam guckt man Spiele, feiert Siege, tröstet sich über Niederlagen hinweg.

„Der direkte Kontakt zwischen den Menschen zur Fußball-Weltmeisterschaft ist die beste Werbung für Deutschland“, sagte der Gründer der Zimmerbörse „Host-a-fan“, Nikola Günther aus Hamburg. „Host-a-fan“ hat bisher die meisten Angebote in Hamburg, weniger für Berlin (bisher eins) oder Kaiserslautern (noch keins).

Die Anbieter zahlen für ihre Registrierung bei www.host-a-fan.de 9,90 Euro, bei www.wm-zimmer-2006.de kostet das 11 Euro, die dann aber nicht die Taschen von Immoscout.24 füllen, sondern an die Stiftung Jugendfußball gehen, die sich weltweit um Kinder- und Jugendarbeit und Fußballnachwuchs kümmert.

Als weitere Plattform will www.hauptstadt-living.de Mieter und Vermieter zusammenbringen. „Es mangelt deutschlandweit an Übernachtungsmöglichkeiten unter 150 Euro pro Nacht“, sagte Hauptstadt-Living-Mitbegründer Jan-Ulrich Bittlinger. Er glaubt, dass wer bereit ist, bis zu 500 Euro hinzulegen, auch zum Finale noch ein Zimmer bekommen würde. Sein Portal bietet Objekte in den Kategorien „Backpackers“, „Economy“, „Business“ und „First Class“ an, die Preise beginnen bei zehn Euro pro Nacht für ein Acht-Quadratmeter-Zimmer.

Für alle, denen jetzt die Euro-Zeichen in den Augen tanzen, weil sie in ihrer Wohnung eine Ecke freiräumen und vermieten wollen, hält Hartmann Vetter vom Mieterverein mahnende Worte bereit: Wer in einer Wohnung, die er selber nur gemietet hat, Untermieter einquartieren will, sollte darüber seinen Vermieter in Kenntnis setzen. „Jede Untervermietung bedarf der Genehmigung“, sagte Vetter. Dies zu ignorieren sei im schlimmsten Fall Grund für eine fristlose Kündigung. Es könnte also sein, dass grämliche Vermieter sich durch die Angebote der Zimmerbörsen klicken und, wenn sie dort ihre eigenen Mieter als Anbieter aufspüren, unangenehm werden.

Als mögliche weitere Spürnase im Netz kann Vetter sich die Finanzämter vorstellen. Denn: Die Einkünfte aus Vermietungen müssen in Einkommenssteuererklärungen deklariert werden. Ob sie auch wirklich besteuert werden, hänge dann aber vom Einzelfall ab.

Jene Wohnung mit dem 30-prozentigen Preisaufschlag für die WM-Zeit fand sich übrigens auf der Internetseite www.ferienwohnung-zimmer-berlin.de/Unterkuenfte/suche.php, auf die man von der Homepage der Berlin Tourismus Marketing weitergeleitet wird.

Die Wohnungsbörsen im Internet:

www.wm-zimmer-2006.de

www.host-a-fan.de

www.hauptstadt-living.de

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