Zionskirche : Wider das Bröckeln der Burg

Mit einem Gottesdienst, einem Benefizkonzert des Rotary-Orchesters, einer Vernissage und einer Gesprächsrunde zur Zionskirche vom Mauerbau bis heute ist die evangelische Gemeinde am Sonntag in die Spendenaktion zur Sanierung der Kirche in Mitte gestartet.

Eine feste Burg auf Berlins altem Weinberg ist sie, die prachtvolle Zionskirche in Mitte. Und stolz darauf, von widerständigem Geist durchweht zu sein. Das Denkmal für Nazi-Gegner und Bekenntnispfarrer Dietrich Bonhoeffer, der hier in den dreißiger Jahren verelendete Arbeitersöhne konfirmierte, steht gleich links auf dem grünen Zionskirchplatz. Ein blinkener Bronzetorso im Pappelflaumgestöber, hier und da etwas angekratzt. So wie das ganze historistische, über 130 Jahre alte Backsteingemäuer, das auch als ein von der Stasi attackiertes Zentrum der DDR-Opposition trutzig, aber stark sanierungsbedürftig war.

Und damit soll es nun, 20 Jahre nach dem Mauerfall, endlich losgehen. Mit einem Gottesdienst, einem Benefizkonzert des Rotary-Orchesters, einer Vernissage und einer Gesprächsrunde zur Zionskirche vom Mauerbau bis heute startete die evangelische Gemeinde am Sonntag in die Spendenaktion zur Sanierung. 2013 soll sie vollendet sein und um die 3 Millionen Euro kosten. 300 000 Euro will die Gemeinde selbst aufbringen, sagt Pfarrerin Eva-Maria Menard, die sich zur Kurzpredigt mitten unter die Leute stellt. In ihr geht es dem Charakter des Ortes entsprechend darum, sich nicht von Furcht oder Lethargie beherrschen oder von Autoritäten zum Schweigen verdammen zu lassen. „Möge Gottes Geist uns immer wieder bewegen“, wünscht die Pfarrerin.

Drei offensichtlich in Bewegung gebliebene Zeitzeugen erzählen anschließend, moderiert von Fernsehtalkmasterin Sandra Maischberger, oben auf der vollen Kirchenempore ihre Abenteuer vom Mauerbau und der Wendezeit. Maischberger lebt seit 2000 in der Zionskirchstraße, hat ihren Sohn hier taufen lassen und fühlt sich als Mitglied der lebendigen, auch von vielen Zuzüglern geprägten Gemeinde, obwohl sie eigentlich kein Kirchenmitglied ist. Warum? Die Zionskirche habe sie sofort magisch angezogen, erzählt sie. „Es ist ein offener, politischer Ort.“ Viel mehr also als eine bröckelnde Burg. gba

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