Zitadelle : Markgrafen kehren zurück nach Spandau

Die Statuen der "Berlin-Gründer" Markgraf Johann I. und Markgraf Otto III. werden künftig in der Spandauer Zitadelle stehen.

Rainer W. During
274427_0_ae4ece6c.jpg
Tonnenschwere Geschichte. Die „Berlin-Gründer“ Markgraf Johann I. und Markgraf Otto III. fahren am Schloss Charlottenburg vorbei....

777 Jahre, nachdem sie Spandau die Stadtrechte verliehen haben, sind die Markgrafen Johann I. und Otto III. gestern auf die Zitadelle zurückgekehrt. Es handelt sich um eine der 26 Skulpturen der Siegesallee, die jetzt restauriert und ab 2012 Teil der neuen Dauerausstellung „Berlin und seine Denkmäler“ auf der historischen Festung werden.

Kaiser Wilhelm II. hatte die Marmorstandbilder von Markgraf Alexander dem Bären bis Kaiser Wilhelm I. 1895 anlässlich seines 36. Geburtstages gestiftet und von 1898 bis 1901 durch verschiedene Künstler anfertigen lassen. Sie säumten die Siegesallee im Tiergarten, wurden von den Nazis zur Sternallee umgesetzt, 1950 demontiert, im Hof des Schlosses Bellevue abgestellt und vier Jahre später neben dessen Meisterflügel vergraben. Erst im Winter 1978/79 wiederentdeckt, waren sie seitdem im Lapidarium, dem jetzt verkauften ehemaligen Pumpwerk am Halleschen Ufer, untergestellt.

Jetzt werden die Skulpturen in die Zitadelle gebracht. Acht Tonnen wiegen die beiden Markgrafen, die auch als „Berlingründer“ gelten, weil in ihrer Amtszeit die Hauptstadt 1237 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Rund zwei Stunden dauerte der Schwertransport von Kreuzberg nach Spandau. Auf der Festung wurden sie von Albrecht dem Bären begrüßt, der schon länger auf der Zitadelle steht.

Besucher der Zitadelle sollen künftig bei der Restaurierung zuschauen können, sagte der Kulturstadtrat des Bezirks, Gerhard Hanke (CDU). Zwölf Millionen Euro haben je zur Hälfte die EU und die Lottostiftung für die Herrichtung des Kasernengebäudes sowie die Einrichtung der Dauerausstellung bereitgestellt. Landeskonservator Jörg Haspel kann sich keinen besseren Platz für die Figuren vorstellen als die guterhaltene Renaissancefestung.

Kunstamtsleiterin Andrea Theißen will die Zitadelle zu einer einzigartigen Geschichtsinsel ausbauen. Die Ausstellung soll steingewordene deutsche Geschichte von der slawischen Zeit bis zur Naziherrschaft zeigen und laut Haspel auch die aktuelle Denkmalsdiskussion nicht aussparen. Dabei sind die Skulpturen der Siegesallee nur ein Teil. Theißen verspricht: „Wir werden noch einiges ausbuddeln“. Rainer W. During

0 Kommentare

Neuester Kommentar